Interview Hannes Ringlstetter

27.10.2015
2
© www.pertramer.at
© www.pertramer.at

Überraschend bekam ich die Chance Hannes Ringlstetter auf der Frankfurter Buchmesse 2015 zu interviewen. Das ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Kürzlich erschien sein Buch »Paris. New York. Alteiselfing: Auf Ochsentour durch die Provinz« bei dtv.

Das Gespräch mit Hannes Ringlstetter fand in einem Nebenraum beim Verlagsstand statt. Seinen angenehmen bayerischen Dialekt kann ich in schriftlicher Form leider nicht so wiedergeben, wie ich es gern würde.

1970 im schönen München geboren, wuchs Hannes Ringlstetter in Niederbayer auf. Nach dem Abitur und dem Zivildienst studierte er Germanistik und Geschichte an der Universität Regensburg. 1990 gründete er die Band ‚Schinderhannes‘ und tourte über 10 Jahre durch die Provinz, bevor er 2005 mit seinen Musikkabarettprogrammen überall in Deutschland auftrat. Seit 2013 geht er mit seiner Band immer wieder auf Tournee. Neben dem Leben auf der Bühne arbeitet er als Autor und Schauspieler. Er lebt in München und weit draußen auf dem Land.

Ich begrüße Sie recht herzlich zum Interview. Starten wir direkt mit meiner ersten Frage an Sie: Welches Musikinstrument ist Ihr liebstes?

Die Gitarre. (Überlegt) Das Klavier mag ich schon auch gern – mittlerweile wieder -, aber die Gitarre ist schon mein Lieblingsinstrument.

Bei Ihrem ersten Auftritt hatten sie ein Blackout. Das war Ihr erstes großes Vorspiel in der Schulaula. Dann haben sie sich gedacht ‘Fühle russisch! Und spiele weiter.‘ So haben Sie das einfach überspielt. Wie darf man sich das akustisch vorstellen?

Naja, akustisch ist es hauptsächlich in der linken Hälfte des Klaviers anzusiedeln. Also sehr tief und wild. Und psysisch darf man es sich so vorstellen (lacht), dass es praktisch einer Initialzündung glich, bei der ich festgestellt habe, dass ich offensichtlich improvisieren kann. Ich glaube, dass habe ich gar nicht so bewusst gecheckt. Im Nachhinein, da habe ich verstanden, dass das wohl eine Art Improvisation war.

Improvisieren muss man meistens. Auch ich muss mit solchen Fragen improvisieren. Kommen wir von ihrem ersten Auftritt zu Ihrem 25. Bühnenjubiläum im Circus Krone. Ging damit ein Kindheitstraum in Erfüllung?

Der Circus Krone ist schon für Künstler – vor allem in Bayern – glaube ich, ein besonderer Ort. Dort haben 1966 die Beatles gespielt, außerdem noch die Stones und AC/DC. Also alle Großen und natürlich war man in der Regel als Kind auch im Zirkus dort. Es ist ein magischer Ort – ich hab schon ein paar Mal im Circus Krone gespielt, und das Lustige ist, dass diese Energie, auch wenn man das dritte Mal da ist, nicht weggeht. Oft ist es so, dass solche Orte beim ersten Mal so magic sind und dann gewöhnt man sich dran und der Krone ist irgendwie anders, es riecht anders – es riecht nach Elefantenscheiße – und es ist ein völlig anderer Ort, als man normalerweise so auftritt.

Einfach eine magische Atmosphäre.
Ihr Bühnenjubiläum dient nicht ausschließlich dazu Sie zu feiern, sondern auch Ihre Freunde, die Sie auf dem Weg dorthin begleitet haben, damit Sie 25 Jahre auf der Bühne stehen. Wie beschreiben Sie diesen Abend?

Das war schon ein wirklich wahnsinniger Abend, weil erstens Mal kamen alle – es waren doch über 20 Gäste alles in allem, die kamen alle aus Oldenburg, aus Bremen, und überallher und zum Teil nur für ein oder zwei Lieder oder Stücke. Das war schön zu sehen. Das gibt es so oft, gerade bei so Bühnenjubiläen, da schreibt irgendjemand auf ein Plakat „and Friends“ und dann stellt man am Abend fest: Naja, die kennen sich zwar aber so wirklich Freunde sind die nicht. Und bei mir war es schon so, dass das alles wirklich Wegbegleiter und Freunde sind, und in sofern war es auch ein menschlich ergreifender Abend. Ich war tatsächlich gerührt und das ist bei mir nicht einfach.

Bei dem Titel Ihres Buches – Paris. New York. Alteiselfing – dachte ich zunächst: Ahh, Ahh und dann kam Ohh. Denken Sie sich das manchmal auch, wenn Sie so von Provinz zu Provinz reisen und ihre Auftritte haben?

Das ist eine schöne Abfolge von Gedanken. Ahh, Ahh und Ohh aber (lacht) wenn es dabei bliebe, wäre das bissel wenig, zumindest für ein Buch. Aber ja, das ist schon so. Mittlerweile geht’s ja gottseidank, aber es ist immer noch so, dass ich manchmal denke: Es ist auch toll, weil du lernst auch Orte kennen, da denkst du dir, da kann doch niemand leben. Aber es lebt doch jemand dort. Oder was mir zum Beispiel total auffällt, ist, dass alle deutschen Kleinstädte mittlerweile, was die Fußgängerzonen angeht, identisch ausschauen. Also da ist der Starbucks links, dann ist da der New Yorker, da der Kik und da irgendwo ein fetter H&M. Das finde ich zum Beispiel total strange. Wenn ich auf Tour bin, bin ich fast jeden Tag in einer Stadt, aber es schaut trotzdem überall gleich aus. Das ist seltsam.

Das sieht dann eben auch so aus, als hätte man nichts Neues gesehen.

Welcher Auftritt blieb Ihnen in Ihrer langen Bühnenlaufbahn besonders in Erinnerung?

Das Buch besteht natürlich aus solchen Auftritten. Mit der Band hatten wir diesen Auftritt in Paris – das war magic – weil wir da halt auf so einem internationalen Studentenfest gebucht waren. Wenn dann zu bayerischer Rockmusik Inder mit Turban, spanischen Frauen und asiatischen Leute dazu tanzen und mitsingen, das war schon super, zu sehen, dass diese Universalsprache Musik funktioniert. Und auf der anderen Seite gibt es natürlich die üblichen Niederlagen. Ich hatte mal einen Auftritt in Rheinland-Pfalz in Mülheim-Kärlich. Wie so oft in solchen „Randgegenden“ ist es so, dass Mülheim-Kärlich im Rheinland liegt und ich dachte, es ist in der Pfalz. Also habe ich das Publikum angesprochen mit: „Schön, dass ich mal in der Pfalz bin“. Allerdings war gleich hinter dem Wirtshaus, wo das war, ungefähr die Grenze. Da ist es eben immer besonders schlimm. Auf jeden Fall haben mir die Leute das dann ziemlich übel genommen und die wollten mich einfach nicht mehr sehen. Die dachten, ich verarsche die, was ja gar nicht so war. Auf jeden Fall war das ein grausamer Auftritt und da hab ich sehr viel geschwitzt und immer wieder versucht, das zu retten, aber es war nicht mehr zu retten.

Ja, da kann man sich eben schnell mal um Hals und Kragen reden. Das ist so in der Pfalz, in Rheinland-Pfalz.

Das glaube ich auch.

Das waren jetzt meine Fragen, jetzt muss ich kurz überlegen.

Was ist das denn für ein Blog, den du machst?

Dann fragen Sie mich eben mal. Gute Idee.
Also ich betreibe ein Literaturblog, schreibe hauptsächlich Rezensionen zu Büchern, die ich gelesen habe. Dazu schreibe ich dann meine eigene Meinung: Wie hat es auf mich gewirkt, wie wirkt es insgesamt. Ich versuche immer die Meinung persönlich zu schreiben um einen Eindruck zu vermitteln. Und ich schreibe auch über Themen aus der Buchbranche und der Verlagswelt, was ich da aufschnappe und was mich interessiert.

Okay. Schreibst du selbst auch?

Ja, ich schreibe an einem Buch. Wohin das führt, weiß ich noch nicht.

Gut. Das weiß man nie.

Schreiben Sie denn schon immer?

Ja. Ich hab relativ früh angefangen. Ich komme eher vom Songwriting. Ich hab früher angefangen Liedtexte zu schreiben oder besser gesagt Gedichte, dann Liedtexte. Später habe ich angefangen, Kolumnen zu schreiben und Drehbücher – Sketchbücher, oder für andere Comedy – und als Comedyautor gearbeitet. Das Schreiben ist, wenn man vor allem auf der Bühne oder im Fernseh arbeitet, eine gute Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. Ich finde es nach wie vor eine beschauliche Tätigkeit und deswegen sehr angenehm.

Es geht mir auch so, beim Schreiben komme ich immer so ein bisschen runter und da kann man alles Mögliche rauslassen. Kolumnen dann in der Zeitung?

Ja, in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen. Ich habe lang für eine Musikzeitung geschrieben und hab dann festgestellt, dass mir die Form der Kolumne ganz gut liegt, weil ich sie nebenbei machen kann. Im Zug, im Flieger oder mal auf der Autobahn, wenn du auf Tour bist und einer fährt, kann man auch mal schnell eine Kolumne schreiben. Man bleibt drin im Schreiben, deswegen ist es gut und es ist von der Form her relativ überschaubar. So ein Buch, das hat mich schon herausgefordert, muss ich gestehen. Ich dachte nicht, dass es so viel Arbeit ist.

Auf jeden Fall. Nehmen Sie die Herausforderung, ein Buch zu schreiben, noch mal an oder war das Ihr einziges? Legen Sie sich da fest?

Keine Ahnung. Weiß ich nicht. Ich mach auf alle Fälle jetzt erst mal ein Album mit der Band und dann kommt als nächstes ein Soloprogramm und dann, wer weiß. Fürs Alter ist das gut, glaube ich. Das Alter und der Schriftsteller, das kann ich mir gut vorstellen.

Es ist auf jeden Fall eine Langzeitbeschäftigung.

Absolut.

Danke Hannes, danke dtv!

hns_hrn_wtrs
Copyright: Privat

Hannes Ringlstetter im Netz

Webseite: http://www.hannesringlstetter.de
Das Buch: http://www.dtv.de


Das Copyright des Autorenfotos liegt bei www.pertramer.at und wurde mit freundlicher Genehmigung vom Verlag zur Verfügung gestellt.

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.