Interview Ingmar Gregorzewski

18.06.2014
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Ingmar Gregorzewski · Quelle: Amazon
Ingmar Gregorzewski · Quelle: Amazon

Kennengelernt habe ich Ingmar mit seinem Buch “Das Feuer von Konstantinopel“, dies ist allerdings nicht sein erstes Werk! Er hat im Leben schon einiges mehr geleistet.

Mitunter hat er einige Kinderbücher veröffentlicht und auch Jugendserien für das ARD/ORF geschrieben. Auch an einigen Folgen von “Tatort” und “Der Fahnder” war Ingmar beteiligt.

Um so froher bin ich, heute das Interview mit Ingmar zu führen und ihn euch vorstellen zu dürfen! Dann will ich ihm mal den Bauch mit Fragen durchlöchern!

Ein Meer voll Kaffee oder ein Tresor voll Schokolade?

Ganz klare Sache: ein Tresor voller Schokolade.

Hm, komisch, dass Autoren immer Schokolade mögen, brauchen die nicht eher Kaffee? 🙂

Mag sein. Aber bei mir steht Schokolade immer ganz oben. Sonst eher Tee als Kaffee… dann läuft die Arbeit eigentlich ganz flott..

Gut, dann gehen wir jetzt mal zum Ernst! Wie schon zu Beginn des Artikels erwähnt, kennt man dich nicht nur als Autor von einem Buch sondern noch vielem mehr. Erzähl doch mal kurz, was du davor so getan hast und wie es dazu kam.

Der Wunsch zu schreiben lag bei mir immer in der Lebensluft. Schon mit 19 Jahren habe ich beim NDR-Radio irgendeinen Gedichtwettbewerb gewonnen. Schon war ich verdorben für ein bürgerliches Leben. Meine Mutter gab mir den Rat: schreiben, dazu musst Du auch was erleben. Fatal. Ab da wollte ich immer zu was erleben. Das konnte man damals ganz gut bei Film & Fernsehen. Hier bekam ich dann Geschmack aufs Drehbuch schreiben.

So früh fing es also schon an! Wie war es, für das Fernsehn zu arbeiten? War es ein besonderer Arbeitsplatz und eine tolle Erfahrung, seine Worte zu sehen? Also das Drehbuchschreiben und dann wirklich vielleicht auch dabei zu sein und zu Erleben, wie die Worte in Bilder verwandelt werden.

Beim Drehbuch schreibt man ja quasi eine Partitur. Das heißt: Man komponiert die Noten für ein großes Orchester: Schauspieler, Kamera, Ausstattung, Regie, Kostüm, Ton, Musik etc. Das Drehbuch wird am Ende verschwinden, es bleibt nur der Film. Hier füllen sich alle Gedanken, die man sich als Autor gemacht hat, Gefühle materialisieren sich zu sichtbarer, sofort erfahrbarer Handlung. Beim Roman ganz anders. Hier darf man gerne alle Aspekte der Handlung schriftlich ausleuchten, wenn es denn Sinn macht. – Ach ja: Und der Arbeitsplatz heißt meistens “Einsamkeit”.

Schade, dass es einsam ist, aber dennoch sehr interessant. Ist es nicht das, was man als Autor möchte, dass die Bilder so gut wie möglich nach den eigenen Vorstellungen umgesetzt werden?

Doch, das glaube ich auch. Aber viel wichtiger ist mir das psychologische Konstrukt der Figuren. Die sollen ja glaubhaft bleiben. Die Bilder, die sind sogar oft viel schöner, als gedacht. Ich bin ja auch kein Kameramann. Der und auch die Regie und alle anderen aus dem Team tragen ja dazu bei, dass meine Geschichte auch bildhaft zu leben anfängt.

Klar, die Schauspieler müssen ja auch in die Rolle passen. Aber genug davon. Ich würde jetzt gerne mal von dir Wissen, wie sieht das bei Kinderbüchern aus. Auf was achtest du als Autor besonders? z.B. Dass die Geschichte auch Kindgerecht, verständlich ist?

Ich versuche natürlich unbedingt zu vermeiden, dass die Geschichte ‘kindisch’ ist. Als Kind war ich ja selbst ein begeisterter Leser. An die Gefühle kann ich mich noch stark erinnern. Ich versuche also, dass meine Hauptfigur, ein Kind, in der Regel einen Konflikt auslöst, den es auch bewältigen kann. Dabei soll es am Ende ein bisschen über sich hinausgewachsen sein. Aber keine Angst: Ich sitze jetzt nicht mit dem theoretischen Schreibrechenstab am Schreibtisch. Nein, eigentlich will ich ja von der Erzählung selber begeistert sein. Da heißt es dann, sich bloß nicht selbst belügen und immer schön kritisch bleiben. Aber ich will ja nicht nur Kinder erreichen, sondern alle, die gerne meine Art von Bücher lesen…

Also der ‘typische’ Entwicklungsprozess, so wie man ihn in fast allen Büchern erlebt sozusagen. Klingt jetzt sehr interessant, was du erzählt hast und ich kann mir auch vorstellen, dass ein Charakter, der kindisch erscheint ziemlich nervig sein kann. Auch zum schreiben.

Ja, unbedingt. Die Kinder ‘Kids’ nennen, bloss um ihnen zu erklären, wie cool sie sind, scheitert garantiert. Ich spiele auch nicht ‘Lieber Gott’ mit meinen Figuren, ich ordne mich ihnen unter, schaue auf ihre Bedürfnisse und ihr Leben.

Du machst ja Lesungen für Kinder, Schulklassen und Interessierte. Wie wichtig ist es dir, den Kontakt mit deinen Lesern und Zuhörern zu haben?

Das ist natürlich immer eine ganz besonderes Ereigniss für mich. Hier erfahre ich alles: wie funktioniert die Geschichte, sitzen die Lacher, kommen die Tränen? Ich liebe mein Publikum und wir haben meistens zusammen sehr viel Spaß auf solchen Veranstaltungen.

Ja, ich glaube mit Gefühlen kannst du gut umgehen. Zumindest habe ich auch einiges beim Lesen empfunden. Wenn wir schon bei Gefühlen sind und beim Ausdruck, muss ich dir auch eine böse Frage stellen mit der du sicher knobeln musst. Beschreibe dein Roman “Das Feuer von Konstantinopel” in einem einzigen Wort!

Henni, wirklich eine böse Frage ;o) Du siehst mich knobeln… ein einziges Wort, große Güte – also sagen wir einmal: traumhaft!

Ein wirklich schönes Wort, mit dem kann man einiges Verbinden und auch ganz gewiss dein Buch! Mir persönlich wäre jetzt – nicht lachen – gefunden eingefallen. Weitaus weniger schön, als Wort, aber in der Bedeutung.

Doch, Dein Wort finde ich auch schön… es schwingt sehr viel von den Ereignissen darin. Bei mir ist es mehr der Zustand der Geschichte: sie ist wie ein schwerer Traum.

Jetzt schwenken wir noch ein mal in eine andere Richtung um. Du hast dein Buch ja nicht unbedingt mit einem Verlag veröffentlicht, woran lag das? Was hat dich zu dieser Entscheidung geführt?

“Das Feuer von Konstantinopel” habe ich tatsächlich als self-publisher herausgebracht. Aber natürlich gibt es von mir auch Bücher in ‘richtigen’ Verlagen. Und es kommen auch noch welche.
Das ‘self-publishing’ klingt für Autoren sehr verlockend: man hat alles in der Hand, kann frei über den Text bestimmen, das Buch erscheinen lassen, wann man will, man kann direkt die Verkäufe kontrollieren und die Honorarprozente sind – meistens jedenfalls – deutlich höher, als bei den Verlagen. Dieses ‘alles in der Hand haben’ ist auf der anderen Seite auch der Nachteil: ich muss viel Zeit investieren, um meinen Titel bekannt zu machen. Aber das muss ich bei einem richtigen Verlag auch, es sei denn, ich habe einen großen Namen und mein Buch läuft gut. Dann wird auch Werbung gemacht. So paradox das klingt.

Bei “Das Feuer von Konstantinopel” wollte ich endlich mal frei über alles selbst entscheiden. Wie der Versuch letztlich ausgeht, kann ich nicht sagen. Das werden die Leser entscheiden.

Es ist natürlich nachvollziehbar, dass es auch hier wieder große Vor- und Nachteile gibt. Allerdings habe ich auch schon sehr oft mitbekommen, dass Autoren und Neu-Autoren durch ‘self-publising’ viel Erfahrungen gesammelt haben und es allein deswegen schon sehr viel Wert war!

Möchtest du zum Abschluss noch etwas sagen?

Ich bewundere alle Menschen, die sich für Bücher einsetzen, die dafür kämpfen, dass diese Bücher auch gelesen werden. Wer in diesem Geschäft ist, weiß wie hart das ist. Stellvertretend für alle diese Menschen, die ich hier versuche zu beschreiben, möchte ich mich bei Dir bedanken, Henni. Es ist eine unglaublich tolle und wertvolle Arbeit, die Du und auch all die anderen leisten. Mein Motto für alle da draußen aber heißt: Save a Writer – buy a Book!

Das sind doch mal tolle Worte zum Abschluss! Ich bedanke mich auch recht herzlich bei Dir, Ingmar! Du hast in diesem Interview sehr tolle und ausführliche Antworten gegeben. Ich finde es toll, dass du dich hinter deine Werke setzt und die Welt mit tollen Geschichten bereicherst. Ich war echt froh, dein Buch gelesen zu haben und bin dir zutiefst dankbar, dass du die Arbeit der Blogger zu schätzen weist!

Danke Henni, danke zuendegelesen!

So, ich hoffe natürlich, dass Euch der Beitrag gefallen hat und euch das Interview mindestens genauso viel Spaß gemacht hat wie mir!

Wer mehr über Ingmar erfahren möchte oder auch gerne mal ein Buch von ihm lesen möchte, kann hier klicken.

Hier gibt es Rezensionen zu Ingmars Büchern

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