Aktion Leser geben Buchtipps — Daniel aus dem Saarland

06.08.2017
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Über mich

Hey! Ich heiße Daniel und komme aus dem kleinen Saarland. Wenn ich nicht gerade als Löwenbändiger, sprich: Lehrer einer Löwenklasse, tätig bin, lese ich sehr gerne und mit viel Genuss Bücher zu allen möglichen Themen und aus den verschiedensten Genres.

Im Folgenden möchte ich — auf Einladung von Henrik – ein paar Bücher präsentieren, die mir wirklich gut gefallen haben und von denen ich hoffe, dass sie euch auch Spaß und Genuss bereiten können.

Daniel ist übrigens auch auf Twitter zu finden! @DanFertigAus

Buchcover zu "84, Charing Cross Road" von Helene Hanff
Quelle: Atlantik Verlag

Helene Hanff: 84, Charing Cross Road. Eine Freundschaft in Briefen.

Durch Zufall stößt die amerikanische Bühnenschriftstellerin Helene Hanff Ende der vierziger Jahre auf die Adresse eines kleinen Antiquariats in London. Eine neue Quelle für schwer aufzutreibende Bücher? Die Autorin greift zum Stift, ohne zu ahnen, dass diese ersten Zeilen der Beginn einer jahrzehntelangen Brieffreundschaft sind. Ein Schatz für alle, die Bücher lieben.

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Es ist allgemein bekannt: Das Leben schreibt die schönsten Geschichten. Diese Erkenntnis zeigt sich auch beispielhaft in diesem non-fiktionalen Buch anhand der besonderen Brieffreundschaft zwischen der amerikanischen Bühnenschriftstellerin Helene Hanff und dem Buchhändler Frank Doel, der für das Antiquariat MARKS & CO. in London arbeitete.

Ausgehend von Hanffs postalischer Erstbestellung bei MARKS & CO. entwickelt sich eine Korrespondenz, die das anfängliche Anliegen der Schriftstellerin, rare und vergriffene Buchausgaben zu erstehen, bei weitem übersteigt und die geschäftliche Seite des Briefwechsels immer mehr in den Hintergrund rücken lässt. Natürlich geht es weiterhin um die gemeinsame Leidenschaft, Literatur, aber bald schon entwickelt sich zwischen den beiden Schreibern eine Vertrautheit, die Raum für Privates und alltäglich Erlebtes in der Nachkriegszeit schafft und so die dem Genre Geschäftsbrief eigene, sprachliche Nüchternheit verblassen lässt und den Ton, vor allem in den Briefen von Frau Hanff, erfrischend frech und ironisch-fordernd werden lässt. Angesichts einer derartig skurrilen Korrespondenz darf man sich schließlich nicht wundern, dass die Neugier auf die eigenwillige Vielleserin aus Amerika wächst und der Kreis ihrer Briefpartner – und Bewunderer –  immer größer wird.

Es ist für leidenschaftliche Leser eine wahre Freude, diese sympathische Briefe-Sammlung zu lesen und die freundschaftliche Annäherung der beiden Schreiber zu verfolgen. Einmal mehr zeigt sich, dass das geschriebene Wort die Kraft hat, Menschen miteinander zu verbinden. In diesem Fall zeigt sich das sogar doppelt: nämlich in Form der Korrespondenz zwischen Helene und ihren Bewunderern zum einen, und zum anderen in der Rezeption des Buches durch den Leser.

Buchcover "Über kurz oder lang" von Marie-Aude Murail
Quelle: S. Fischer Verlag

Marie-Aude Murail: Über kurz oder lang

»Mir egal«, sagt Louis. Seine Großmutter hat ihm gerade vorgeschlagen, sein Praktikum im Salon Marielou zu machen. Bei einem Friseur! »Nur über meine Leiche«, sagt Louis’ Vater. »Voll uncool«, sagen Louis’ Freunde. »Mir egal«, sagt Louis. Doch als er anfängt, ist ihm auf einmal gar nichts mehr egal. Er will sein eigenes Leben leben. Auch gegen den Willen seines Vaters. Ob Marielou ihm dabei helfen kann?

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Murails Jugendbuch widmet sich fokussiert den Sorgen, Nöten, Freuden und Interessen eines pubertierenden Jungen namens Louis in Frankreich. Ausgehend von der lästigen Pflicht, einen Praktikumsplatz zu finden, entfaltet sich eine Romanhandlung, die ihr Zentrum in einem kleinen, charmanten Frisörsalon findet und von dort aus den Leser in ihren Bann zieht. Inmitten der familiären Atmosphäre des Salons entfalten sich kleine Geschichten aus dem Alltag und es wird rasch klar, dass das Leben so manche Überraschung­, sei sie positiv oder negativ, bereitstellt und sogar lebensgefährliche Situationen heraufbeschwört, sobald man den Hort verlässt, den man mit Heimat verbindet. Die Frage ist nur: Bleibt man dem geschützten Raum treu, auch auf die Gefahr hin, seine Träume zu vernachlässigen? Oder ist man dazu bereit, das Schicksal herauszufordern, die Vorbestimmung durch andere zu hinterfragen und so zu sich selbst zu finden, auch wenn der Weg steinig ist?

Ich mag diesen Roman sehr, da es der Autorin gelingt, in lockerer Sprache und mit viel Humor über die Selbstfindung eines Jungen und die Vielschichtigkeit des Lebens zu schreiben. Ich fühlte mich den größtenteils sympathischen Figuren sehr nahe und konnte auch die Behaglichkeit und Geborgenheit nachvollziehen, die Louis mit dem Frisörsalon verbindet. Dieses Buch bereitet nicht nur Jugendlichen Freude, auch Erwachsene finden darin eine unterhaltsame Lektüre!

Buchcover "Das letzte Geständnis des Raphael Ignatius Phoenix" von Paul Sussmann
Quelle: Droemer Knaur Verlag

Paul Sussman: Das letzte Geständnis des Raphael Ignatius Phoenix

Hochamüsant und kultverdächtig: Paul Sussman erzählt in seinem Roman „Das letzte Geständnis des Raphael Ignatius Phoenix“ mit viel schwarzem Humor von einem skurrilen, aber doch irgendwie liebenswerten alten Mann und seiner fast ein ganzes Jahrhundert umspannenden Lebensgeschichte.
Raphael Ignatius Phoenix hat Stil. Manchmal lebt er seinen leichten Hang zur Exzentrik aus, aber letztlich geht ihm nichts über Eleganz und geordnete Verhältnisse. Daher ist es selbstverständlich, dass er zu seinem bevorstehenden 100. Geburtstag ein Geständnis ablegt. Denn sein Ehrentag wird der Tag seines Todes sein. Und da es sich nicht schickt, einfach so aus der Welt zu scheiden, schreibt er zuvor den längsten Abschiedsbrief aller Zeiten – und beichtet ganz nebenbei zehn Morde, die ihm unter anderem mit Hilfe eines Halloween-Kürbisses, der Reißleine eines Heißluftballons und eines Erdbeer-Sahnehörnchens unterlaufen sind.

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Der Autor Paul Sussman erzählt in seinem Roman die irrwitzige und skurrile Geschichte der titelgebenden Figur, die als mehrfacher Mörder ihr Leben zugebracht hat und jetzt, fast 100-jährig und zum Sterben bereit, geständig seine Taten in Form eines gigantischen Abschiedsbriefs an die Wände seiner Burg pinselt. Hierbei offenbart sich dem Leser ein schrilles Leben, das vielfältiger und abwechslungsreicher nicht sein könnte und das für die Biografien mehrerer Personen ausreichen würde.

Sussmans Roman besticht durch seinen bitterbösen Humor, Zynismus, außergewöhnliche Mordmethoden und die sehr überspitzte Handlungsdarstellung – alles in allem eine Mischung, die die Lektüre sehr angenehm macht und vergnügliche Stunden mit einem äußerst sonderbaren Roman garantiert. Für Freunde des schwarzen Humors und des Skurrilen!

Buchcover "Superhero" von Anthony McCarten
Quelle: Diogenes Verlag

Anthony McCarten: Superhero

Donald Delpe ist 14, voller unerfüllter Sehnsucht, Comiczeichner. Er möchte nur eines wissen: Wie geht Liebe? Doch er hat wenig Zeit – er ist schwerkrank. Was ihm bleibt, ist ein Leben im schnellen Vorlauf. Das schafft aber nur ein Superheld. Donald hat sogar einen erfunden – MiracleMan. Aber kann MiracleMan ihm helfen, oder braucht Donald ganz andere Helden?

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Anthony McCartens Werk Superhero gehört zu den wenigen Büchern, von denen ich sagen kann, dass sie mich tief berührt haben und noch lange nach der Lektüre gedanklich beschäftigt haben. Ich war hin- und hergerissen zwischen der Tragik der Handlung um den schwerkranken Helden – der eigentlich noch viel zu jung ist, um sich mit dem Sterben auseinandersetzen zu müssen und sich in die Fantasiewelt seiner erfundenen Comicfiguren flüchtet – sowie der feinen Komik und Coolness der Darstellung, die unsicher lächeln lässt. Dieser Roman verknüpft auf eigenartig lässige Weise die pubertären Ängste und Wünsche eines Heranwachsenden mit körperlichem Verfall sowie den resultierenden seelischen Folgen und entfaltet dabei eine Dynamik, die nicht nur den Helden mitreißt, sondern auch seine Familie in ihren Bann zieht und ihr Leben (auch im Umgang miteinander) für immer verändern wird. Dass dem Helden angesichts der entstehenden Sogkraft kaum mehr Zeit bleibt, im Leben anzukommen, verdeutlicht auch die sprachlich-stilistische Seite des Textes, die sich der Mittel der szenisch-filmischen Gestaltung sowie des Comics bedient, um die Innenwelt des Jungen widerzuspiegeln und so sein Erleben und Verhalten auf den Punkt zu bringen.

Superhero ist für Jugendliche und Erwachsene absolut lesenswert und garantiert mittels filmreifer Szenen und toller Figuren eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die dir kaum Zeit zum Atmen lässt.

Buchcover "Auf immer und ewig" von Margret Steenfatt
Quelle: Rowohlt Verlag

Margret Steenfatt: Auf immer und ewig

«Wir kennen uns nicht, wir haben uns noch nie gesehen!», zischte er ihr zu, und schon lief er los, um zu verschwinden. Im Nu war Nike wieder bei ihm, legte ihm den Arm um die Schultern und schmiegte ihre Wange an seine. Er atmete schwer. «Du weißt, dass es verboten ist, sich mit einem Juden einzulassen», flüsterte er rau. «Niemand jagt mir heute Angst ein, nicht heute, an unserem Glückstag!» Sie lachte froh.
Nike und Nathan sind Deutsche. Nathan ist Jude. Der um sich greifende Terror der Nazis verbietet ihnen die Freundschaft. Ihre zarte Liebe gilt als Verbrechen. Doch Nike und Nathan haben sich geschworen, zusammen-zuhalten – auf immer und ewig …

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Auf immer und ewig gehört zu den zeitgeschichtlichen Kinder- und Jugendromanen und schildert demgemäß die Geschichte dreier Freunde zur Zeit des Nationalsozialismus. Im Fokus des Textes steht dabei die Verschärfung der Maßnahmen sowie der antisemitischen Denkhaltungen gegenüber Juden und deren Auswirkungen auf die Freundschaft zwischen Nike, Paul und Nathan, der jüdischen Glaubens ist. Schritt für Schritt entlarvt der Roman die destruktive Energie der NS-Ideologie und schafft so eine vergiftete Atmosphäre, die das Alltägliche auf den Kopf stellt, Familien zu zersprengen droht und Freundschaften auf die Probe stellt. Inmitten dieser Feindseligkeit entwickelt sich eine zerbrechliche erste Liebe, die in einer Welt voller Gewalt, Angst und Hoffnungslosigkeit für einen kurzen Augenblick die Zeit stillstehen lässt und die Umstände der Zeit in den Hintergrund rücken lässt – bis das Schicksal zuschlägt und das Grauen der Zeit sein hässliches Gesicht vollends offenbart.

Auf immer und ewig bietet interessierten Jugendlichen einen Zugang zur Geschichte der Judenverfolgung im Dritten Reich und verknüpft dabei Historisches mit fiktionalen Elementen zu einem Roman, der zu ergründen versucht, welchen Einfluss die schlimmen Zeitumstände auf den Werdegang junger Menschen nehmen konnten.

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Beitragsbild: © DanFertigAus

2 Kommentare

  • Silvia sagt:

    Welche schöne Buchtipps! Davon kenne ich nur Superhero, es ist dieses Jahr hier in Köln auch das Buch der Stadt.
    Gefällt mir, diese Art Beitrag!
    Viele Grüße
    Silvia

    • Henrik sagt:

      Hallo Silvia,

      es freut mich, dass dir das Format zusagt! 🙂 Auch du darfst dich gern daran beteiligen, wenn dir mal danach sein sollte.

      Liebe Grüße
      Henrik

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