Rezension Die Hände des Pianisten

13.05.2014
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»Die Hände des Pianisten« ist ein Roman von Yali Sobol und ist 2014 erstmals auf Deutsch im Antje Kunstmann Verlag erschienen.

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Inhalt

Tel Aviv, nach dem nächsten Krieg. Die Stadt hat schwer gelitten, überall sind die Zerstörungen der Raketenangriffe zu sehen, Tausende haben ihr Leben verloren. An der Spitze des jüdischen Staates steht ein starker Mann, ein General, der nach einem Anschlag auf den Generalstab die Zügel in die Hand genommen und den Sicherheitsbehörden eine nie dagewesene Machtfülle beschert hat. In die zerstörte Stadt kehren Joav und Chagit Kirsch zurück, während des Krieges haben sie sich auf dem Land in Sicherheit gebracht. Joav ist Pianist, Anfang dreißig, ein unpolitischer Schöngeist und Opportunist, der große Schwierigkeiten hat, sich in der neuen Zeit zurechtzufinden. Chagit arbeitet als Cutterin bei einem großen Fernsehsender. Als sie von dem Starreporter des Senders einen USB-Stick zugesteckt bekommt, den sie für ihn verstecken soll, und kurz darauf die Redaktion von der Polizei durchsucht wird, finden sich die beiden plötzlich im Zentrum eines politischen Skandals, der bis in die höchsten Ebenen der Macht reicht …

Quelle: Verlag Antje Kunstmann

Buchinfo

  • ISBN: 978-3-88897-926-2 (Hardcover)
  • Preis: 19.95 € [D]
  • Seiten: 288
  • Sprache: Deutsch
  • Erscheinungstermin: 12. März 2014
  • Genre: Roman
  • Original: אצבעות של פסנתרן | Zmora, Tel Aviv | 2012
  • Übersetzer: Markus Lemke

Meinung

Auf dem Buchcover ist ein altes Piano abgebildet, wo die Tasten schon sehr mitgenommen aussehen und auch teilweise richtig kaputt sind. Eigentlich ist es auch sehr schön, ich frage mich nur, wieso man die Tasten spiegeln musste? Aber nun gut. Jedem das seine. Es sieht nicht schlecht aus, da gibt es deutlich schlechtere Cover! Der Umband ist zudem glatt und manchmal ein wenig rutschig, man sieht darauf jeden Fingerabdruck.

Leser dieses Buches werden sich in Tel Aviv in Israel wiederfinden. Dort gibt es einiges zu entdecken. Man befindet sich oft im Schneideraum eines Fernsehsenders in dem die Hauptperson Chagit Kirsch als Cutterin arbeitet. Oder auch in der Wohnung der Kirschs, wo Joav Kirsch für seine gelegentlichen Auftritte an seinem Flügel übt. Was auch wichtig zu erwähnen ist, dass Ehepaar Segal ist sehr wohlhabend und Joav wird im Laufe der Geschichte regelmäßig bei ihnen zu Besuch sein und dort seine Auftritte in der Villa der Segals haben.

Da ich eben schon einige Namen erwähnt habe, möchte ich ein wenig mehr dazu sagen.
Joav Kirsch ist ein Pianist, seine Karriere läuft nicht so gut und seine Frau Chagit Kirsch verdient genug, sodass sie gerade noch so über die Runden kommen. Joav ist von der ganzen Situation entmutigt und auch allgemein eher der weichere Typ. Chagit hingegen ist eine sehr entschlossene Person, was sie anpackt, wird gemacht. Aber auch sie hat ihre Seiten. Ich war auch überrascht über ihr Verhältnis zueinander, das schon sehr innig war, aber lest selbst.. 🙂
Das Ehepaar Segal ist reich. Sie haben Einfluss und können sich so einiges Leisten. Sie haben Joav nach einem seiner Auftritte aufgesucht und so entstand dann der Kontakt zwischen ihnen, alles Weitere steht im Buch.

Yali Sobol hat mit seinen Charakteren sehr experimentiert, wie ich finde. Er hat sich getraut so manchem Charakter einfach richtig widerlich zu gestalten. Das fand ich sehr gut. In dem Buch kommen auch sehr viele Charaktere darin vor, weswegen man aufpassen muss. Ich muss gestehen, ich habe irgendwann ein wenig den Überblick verloren, als die Handlung sich um 180 Grad gewendet hat.

Als ich die ersten paar Seiten gelesen habe, war ich schon total mitgerissen von seinem Schreibstil. Es war etwas sehr Schönes, sehr bildhaft. Manchmal einfach nur kurze Hauptsätze und dann wieder ganz viele Schachtelsätze und auch viele mit Nebensätzen. Das war einfach eine schöne Mischung. Sehr bildhaft und auch gehoben. Ich bin ja total für anspruchsvolle Literatur und freue mich jedes Mal sehr. Es war einfach schön zu lesen und flüssig. Die Fachbegriffe und so weiter empfand ich gar nicht als störend. Es war einfach Teil der Geschichte. Die ganzen bekannten Komponisten und Namen und Städte, Straßen. Es war einfach anders und schön. Aber ab einem gewissen Punkt, da hat es irgendwie schlagartig nachgelassen, leider.

Das Buch hatte eine Spannungskurve, die war anfangs einfach neutral und man hatte Interesse an der Geschichte, dann fing es an, dass es richtig spannend wurde und man sich kaum lösen konnte. Das war dann der Moment, wo dann auch schon im nächsten Augenblick alles verloren ging. Es war einfach nicht mehr so interessant, wie es vorher war. Es hat den Anreiz verloren, ich habe angefangen, mit dem Buch zu kämpfen. Das fand ich sehr schade, irgendwie hat das auch demotiviert, es weiter zu lesen. Ich dachte mir dann nur, vielleicht wird das Ende dann wieder gut. Und so kam es auch, es war akzeptabel und auch sehr überraschend.

Bewertung

Ich kann diesem Buch nach diesem Kampf leider nicht mehr als 3 von 5 Schreibfedern geben. Dazu war die Messlatte am Anfang einfach zu hoch um den Sturz am Ende wieder wettzumachen. Schade eigentlich, denn ich mochte den Schreibstil und die Geschichte an sich hatte auch gutes Potenzial. Ich tu es nicht gern aber ich muss eine Bewertung abgeben und die fällt nun mal so aus. Ich hätte es mir auch anders gewünscht.

Fazit

Für mich war diese Geschichte irgendwie nichts, leider. Ich wüsste auch nicht, wem ich sie empfehlen könnte. Das muss wohl jeder selbst bestimmen.

Ich danke dem Verlag Antje Kunstmann für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Eine Geschichten mit mehr Tiefen als Höhen

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