Rezension Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

26.03.2014
7

»Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Pebumbra« ist ein Roman von Robin Sloan und ist 2014 erstmals auf Deutsch im Blessing Verlag erschienen.

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Inhalt

Als Clay Jannon seinen Job als Webdesigner verliert, meldet er sich auf eine Stellenanzeige hin bei Mr. Penumbra, der in San Francisco eine alte, verstaubte Buchhandlung betreibt, die rund um die Uhr geöffnet ist. Clay übernimmt die Nachtschicht, und bald ist ihm klar, dass hier irgendetwas nicht stimmt: Die Kunden kaufen nichts, sondern leihen die Bücher nur aus, drei Stockwerke hohe Regale beherbergen riesige Folianten, die keine Texte beinhalten, sondern nur ellenlange Reihen aus Buchstaben. Nach und nach findet Clay heraus, dass Mr. Penumbra und seine Kunden einem uralten Geheimnis auf der Spur sind. Mit der Unterstützung seiner Freundin Kat und seines ältesten Kumpels Neel, sowie der Weisheit von Mr. Penumbra, macht sich Clay daran, dieses Geheimnis zu lüften. Ein Geheimnis, das bis in die Anfangszeiten des Buchdrucks zurückreicht.

Quelle: Blessing Verlag

Buchinfo

  • ISBN: 978-3-89667-480-7 (Hardcover)
  • Preis: 19,99 € [D] 20,60 € [A]
  • Seiten: 352
  • Sprache: Deutsch
  • Auflage: 1. Auflage
  • Erscheinungstermin: 3. März 2014
  • Genre: Roman
  • Original: Mr. Penumbra's 24-Hour Bookstore | Farrar, Straus and Giroux | 2012
  • Übersetzer: Ruth Keen

Meinung

Ich habe selten ein so schönes Cover in der Hand gehabt! Mir ist sofort der alte Mac und das Gesicht in dem Cover aufgefallen. Ich finde, diese zwei fast unscheinbaren Elemente wurden sehr schön mit eingebaut. Als ich das Buch dann zum ersten Mal in der Hand gehalten habe, war ich erstaunt über die Griffigkeit dieses Umschlags. Es ist immer wieder toll, wenn Buchumschläge nicht rutschig sind, so was ist ein absoluter Bonuspunkt!
Auch das Buch ohne Cover ist absolut nicht rutschig. Es hat eine gerillte Oberfläche und liegt schön in der Hand. So mag ich das! Ich habe mich auch in die Schriftart verliebt. Alles ist ein gutes Zusammenspiel und das macht ein gutes Cover natürlich auch aus. Es ist sehr ansprechend für das Auge und verleitet eigentlich schon allein deswegen zum Kauf. Aber, man sagt ja so schön, dass Eindrücke täuschen können. Und hier ist Vorsicht geboten, denn der Schein trügt und der Inhalt scheint nicht ganz der zu sein, den man vielleicht am Anfang erwartet.

In diesem sonderbaren Buch befindet man sich auch an sonderbaren Orten. Zumindest für die heutige Zeit, sehr sonderbar! Ich habe die Buchhandlung sehr geliebt, sie ist so, wie man sich eine Buchhandlung vorstellen mag, ich hab sie nur viel düsterer gesehen, als das Cover erwecken mochte. Jedenfalls überrascht das Buch mit Orten, die man eigentlich nicht vermutet hätte. Zum Beispiel ist man dann mal in New York, oder man ist bei Google zu Gast oder man spurtet durch San Francisco… man sieht also, an Orten mangelt es hier absolut nicht! Man hat abwechslungsreiche Kulissen!

Robin Sloans Art seinen Charakteren Farbe zu verleihen ist einfach – sie sind anfangs ein wenig beschrieben, aber erst im Laufe des Buchs bekommen sie mehr Charakter und Farbe, wortwörtlich. Neel, welcher auch schon im Klapptext erwähnt wurde, hat die Farbe gewechselt, nicht, weil er ins Solarium ging, eher weil Sloan nur beiläufig mal erwähnte, dass Neel eigentlich dunkelhäutig ist.
Dennoch hat mich das nicht gestört, so konnte man seine Personen langsam kennenlernen und es einfach auf sich wirken lassen. Ich mochte Clay wirklich sehr gerne. Er war ein absolut verrückter Kerl, der nur so vor Ideen strotzte. Ein pfiffiges Kerlchen, der mit viel Charme und Witz für eine gute Stimmung gesorgt hat.
Mr. Penumbra oder eher Ajax Penumbra war einfach ein großartiger Mann, ich hätte gern viel öfter solche Charaktere.
Die Mitbewohner von Clay, Mat und Ashley waren ein perfektes Team, schade nur, dass sie ein wenig zu kurz gekommen sind, hätte gerne etwas mehr gelesen, wenn ich so drüber nachdenke.

Mir gefiel auch, wie Robin Sloan seine Geschichte geschrieben hat. Er schreibt sehr flüssig und sehr geschickt, damit meine ich, dass er Gegensätze zwischen alt und modern geschaffen hat. Das hat etwas sehr Schönes und er benutzt auch viele moderne Begriffe und hat eine sehr tolle Art sich auszudrücken. Wer ein kleines Herz für Nerds hat oder selbst einer ist, wird überrascht sein, wie viel Nerd in diesem Buch steckt. So gut, dass er es schon nach wenigen Seiten geschafft hat, mein Feuer für dieses Buch zu entfachen!

Das gesamte Rätsel, worum es im Buch geht, ist einfach nur ansteckend. Schade fand ich nur, dass man weniger selbst gerätselt hat. Das hat schon Clay übernommen, sodass man selbst kaum daran beteiligt war. Das soll aber nicht das Problem sein, ich lasse mich ja auch grundsätzlich gerne auf etwas Neues ein.
Ich war nach jedem Abschnitt, den ich in der Leserunde bewerten musste, immer etwas erschlagen, weil es immer so viel Input war, den ich erst einmal verarbeiten musste und mich einfach die Methoden, an dieses Rätsel heranzugehen verblüfft haben. Man hätte es logischer nicht aufbauen können.
Ich habe auch schon öfters gelesen, dass viele etwas absolut anderes erwartet haben. Kein Buch, worin es fast ausschließlich um die Bücher geht, sondern auch um Technik. Stichwort: Google, Amazon. Es hilft eigentlich schon, wenn man von einem Buch keine Erwartungen hat, sondern eher so etwas wie Vorstellungen, wie es sein könnte. Dann wird man weniger enttäuscht.
In diesem Werk hat Sloan auch immer wieder aufgrund seiner Gegensätze den Menschen einen Schlag auf den Hinterkopf gegeben. Er hat wirklich viele Aspekte mit eingebaut, wie man heutzutage einfach als selbstverständlich sieht oder es einfach so ist und ohne nicht mehr vorstellbar wäre. Und an dieser Stelle möchte ich gerne einmal ein Zitat einfügen, dass man versteht, was ich meine.

Ich laufe allein durch die Dunkelheit und frage mich, wo man anfangen müsste, wenn man den Erdumfang berechnen wollte. Ich habe keine Ahnung. Vermutlich würde ich es einfach googeln.

Clay, Seite 259

Es gibt heute kaum noch jemanden – ich behaupte es einfach mal – der ein Lexikon zur Hand nimmt. Weswegen ich das ganz passend fand.

Bewertung

Robin Sloan ist mit diesem Buch ein fantastischer Roman entstanden, der einem eine Buchhandlung urplötzlich größer erscheinen lässt. Nicht von der Räumlichkeit, sondern eher von dem ganzen Gewusel hinter den Kulissen. Es hat einfach einen großen Spaß gemacht dieses Buch zu lesen und ich kann es kaum erwarten das Nächste (Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbras) zu lesen.

Das Buch ist absolut fantastisch und nerdig. Ich gebe dem Werk ganze 4 von 5 Schreibfedern!

Meine Begründung, weshalb es nur 4 und keine 5 Schreibfedern sind, ist eigentlich ganz einfach. Trotz all der schönen Szenen und so weiter, war mir das Ende, der Epilog ein wenig zu viel des Guten. Das hat mir persönlich absolut nicht zugesagt. Dann hat mich noch einmal die Rezension von der Nina (LIEBROMANIE) ein wenig ins Grübeln gebracht. Es wurde wirklich irgendwie eine große Verherrlichung von Google, eReadern und der modernen Techniken ohne dabei die Gegenseiten und Schattenseite wirklich zu erwähnen. Das gewichtet dann noch einmal ein wenig. Aber gut, eine Schreibfeder weniger ist kein Genickbruch!

Fazit

Das Buch empfehle ich jedem, der bereit ist sich auf eine neue Geschichte einzulassen oder jemand, der total auf Gegensätze steht! Man sollte natürlich nicht erwarten, dass es sich nur um die Buchhandlung dreht, es geht um so viel mehr. Und da kann schon mal der ein oder andere enttäuscht werden.

Eine Geschichte, die von Gegensätzen nicht zu Übertreffen ist. Frisch – Neu – Nerdig!

7 Kommentare

  • Hätte ich das Buch nicht schon gelesen, hätte mich deine Rezension nun sehr neugierig darauf gemacht 🙂

    Was du bezüglich der Figuren sagst, also dass sie sich erst nach und nach entwickeln finde ich sehr interessant. Mir waren die Figuren ja zu blass und ich bekam keinen Zugang zu ihnen. Aber du hast recht, im Laufe der Zeit hat man wirklich mehr über sie erfahren, wobei das bei mir doch nicht so hängen geblieben ist. Mir war zum Beispiel nicht (mehr) bewusst, dass Neal dunkelhäutig ist. Vielleicht hab ich mir das aber auch nicht gemerkt, weil es keine Rolle spielt.

    Bei dem Zitat von S. 259 hab ich auch daran gedacht, dass man heute alles googelt und kein Lexikon zur Hand nimmt. Ich hab mich gestern sogar dabei erwischt, ein Rezept zu googeln, welches ich auch im Kochbuch stehen habe. Und das aus reiner Bequemlichkeit, da ich wusste, dass ich schneller gegoogelt habe als im Buch gesucht.

    Liebe Grüße,
    Julia

    • Henni sagt:

      Uii, dankeschön! Das ist mal ein Kompliment 😀

      Es freut mich sehr zu lesen, dass es nicht nur mir so mit einigen Textstellen so ging, hatte schon leicht angst damit alleine zu stehen.. 😀

      Danke für deinen Kommentar und liebe Grüße!
      Henni

  • Fraencis sagt:

    Hallo Henni,

    falls du diesen Kommentar aus Versehen doppelt bekommst, tut es mir leid. Meine Internetverbindung spinnt gerade ein wenig.

    Ich habe das Buch noch nicht gelesen, finde deine Rezension aber ansprechend und gelungen, soweit ich das beurteilen kann.

    Liebe Grüße,
    Fraencis

  • Das ist wirklich eine tolle Rezension, zu einem Buch, auf welches ich wirklich neugierig bin.
    Ich hoffe sehr, dass ich demnächst die Zeit und Gelegenheit zum Genießen bekomme

    Liebe Grüße
    Smarty

    • Henni sagt:

      Danke für deinen Kommentar und das Lob! Freut mich sehr!

      Wünsche dir im voraus schon einmal mächtig viel Spaß mit dem Buch, hoffentlich bald! 🙂

      Liebe Grüße,
      Henni 🙂

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