Rezension Herzanzünder

13.07.2015
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»Herzanzünder« ist eine Biografie von Ali Mitgutsch mit Ingmar Gregorzewski und ist 2015 erstmals im Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv) erschienen.

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Inhalt

Dem Schrecken mit Fantasie begegnen. Eine Kindheit im alten Schwabing, das hört sich nach Idylle an, insbesondere wenn man in familiärer Geborgenheit aufwächst. Die Idylle gab es: das Stadtviertel als Abenteuerspielplatz, der abendliche Auslauf, wenn man den Auftrag bekam, ein Bier für den Vater zu holen, der Familienpfiff. Doch es kamen die Nächte voller Todesangst im Luftschutzkeller, der Anblick der Ruinen, wenn man wieder herausgekrochen war, dann die Evakuierung aufs Land, wo die Stadtleute nicht willkommen waren, wo Außenseiter schikaniert oder auch einfach nach Strich und Faden verprügelt wurden.

Quelle: Deutscher Taschenbuch Verlag

Buchinfo

  • ISBN: 978-3-423-28057-0 (Hardcover)
  • Preis: 19,90 € [D] 20,50 € [A]
  • Seiten: 192
  • Sprache: Deutsch
  • Ausgabe: Originalsausgabe 2015
  • Erscheinungstermin: 01. Mai 2015
  • Genre: Biografie

Meinung

Bei dieser Biografie ging es um den Künstler und Erfinder der Wimmelbücher – Ali (Alfons) Mitgutsch. Insbesondere wird in der Biografie aber seine Kindheit behandelt, in München und dem Allgäu. Der kleine Ali wuchs nämlich in der Zeit des Nationalsozialismus auf, während des Zweiten Weltkrieges und verbrachte seine Kindheit hauptsächlich in der schweren Nachkriegszeit.

Für mich persönlich ist es immer wieder etwas “Besonderes”, von Menschen zu hören bzw. in diesem Fall zu lesen, die diese Zeit wirklich bewusst erlebt haben. Gerade, weil es in dieser Zeit nicht viel gab und das Leben dementsprechend anders war. Weil ich mir das gar nicht vorstellen kann (Kriege sind weit weg, nicht vor der eigenen Haustür), interessiert es mich schon, wie das damals war. Das Leben, die Menschen, die Städte.

Die Struktur der Biografie gefällt mir. Sie ist in einzelne Kapitel unterteilt, die immer wieder andere Erzählungen und Altersstufen von Ali Mitgutsch aufgreifen. So, wie man es von älteren Verwandten kennt, die nicht chronologisch erzählen, sondern von Ereignis zu Ereignis kommen.
Was ich schön fand, dass es nicht nur um sein Leben als Kind ging. Es ging auch viel darum, wie andere Menschen in seiner Umgebung auf ihn gewirkt haben, wie er mit ihnen gelebt hatte. Wie es für ihn war, mit seinen Geschwistern und Freunden durch diese hungrigen Zeiten und armen Verhältnisse zu kommen.

Die persönliche Note, die dieses Buch mitliefert, wirkt sehr menschlich. Es klingt nicht nach Klagen oder nach Reue. Viel eher hatte ich das Gefühl, dass Mitgutsch trotz seiner turbulenten Kindheit vieles gelernt hat und für sich selbst seine eigenen Schlüsse für das spätere Leben gezogen hat.

Es liest sich, als würde man die Geschichten erzählt bekommen. Bilder setzen sich aus Sätzen zusammen. Sie formen sich zu Bildern. Die lebhaften Beschreibungen haben diesem ganzen Staub der Vergangenheit ordentlich Leben eingehaucht. Wo Ali war, gab es oft viel zu erleben. Ein kleiner Bub mit viel Unsinn im Kopf.

Stellenweise konnte dieses Buch die Distanz wahren und manchmal ging es ganz nah. Es behielt eine angenehme Mischung, bei der man nicht an seine emotionalen Grenzen stößt. Oft verleitet es dazu, dass man einfach mal über den kleinen Ali lachen muss. Es erheitert.

Fazit

Wem die Wimmelbücher nicht bekannt sind, wird von Ali Mitgutsch wahrscheinlich nicht sehr viel gehört haben. So war es ja auch bei mir der Fall. Doch, da ich immer offen für Neues bin, bleibt zu sagen, dass man Ali Mitgutsch auch gut im Nachhinein kennenlernen kann. Sei leben als Kind ist sehr würdig aufgeschrieben worden und lässt sich angenehm lesen. Durch die 190 Seiten ist man schnell durch und bekommt seinen bayerischen Charme gleich mitgeliefert.

Ich danke Ingmar Gregorzewski für dieses tolle Buch. Herzlichen Dank.

Der Herzanzünder versprüht wahre Lebensfunken.

2 Kommentare

  • Wie toll sich die Biografie anhört :‘) Ich habe bisher noch keine einzige Biografie gelesen, da mich sowas auf Dauer eher langweilt. Egal um welches Thema es sich dreht, Biografien sind einfach nichts für mich. Auch das Thema Nationalsozialismus ist für mich ein Thema, das ich nicht mehr hören will, eben weil mein Vater sehr viel darüber schwafelt und es irgendwann genug ist. Durch deine Rezension bin ich jetzt aber wirklich am Überlegen, ob ich die Biografie nicht doch lesen will 😀 Also bin ich jetzt mal ganz still in meiner Ecke und denk drüber nach!

    Liebst, Sarah ♥

    • Henrik sagt:

      Hallo Sarah! 😀

      Ja, es war sehr schön die Biografie zu lesen. Ich weiß auch nicht, ob ich unbedingt immer zu einer Biografie greife, aber manchmal sollte es sein. Ich denke, wenn man am Leben einer Person interessiert ist, kann man das tun. In dem Fall wurde ich nicht enttäuscht.
      Der Nationalsozialismus war eben Teil der Kindheit, aber hier war eher die Kindheit und das Leben in dieser Zeit als Kind beleichtet und weniger der Nationalsozialismus. Weil mir hängt das Thema manchmal zum Hals raus, wir Deutschen lassen uns da manchmal zu sehr in die Vergangenheit zurückziehen. Wir jungen Menschen können längst nichts mehr dafür. Wir müssen uns um die eigene Zukunft kümmern.
      Natürlich können wir so etwas nicht „vergessen“, aber manchmal ist auch gut, wenn man gesunden Abstand daovn hat.
      Es wäre natürlich schön, wenn du die Biografie lesen würdest.
      Viel Spaß in deiner stillen Ecke.

      Liebe Grüße an dich. <3 🙂

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