Rezension Hexenherz. Eisiger Zorn

16.05.2017
6

»Hexenherz. Eisiger Zorn« ist ein Roman von Monika Loerchner und ist 2017 erstmals im acabus Verlag erschienen.

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Inhalt

Europa, 1466: Als die Hexenverfolgung immer weiter um sich greift, schreitet die bisher geheime Elite der Hexen ein und offenbart: Jede Frau ist der Magie fähig! 550 Jahre später wächst die junge Hexe und staatstreue Gardistin Helena in einer Gesellschaft heran, in der die Vorherrschaft der Frauen unumstößlich scheint. Sie träumt davon, weiter im Dienst der höchsten Hexe, der Goldenen Frau, aufzusteigen. Doch als sie Opfer einer Intrige wird und fliehen muss, gerät sie in die Fänge von Rebellen. Denn auch das stärkste Regime hat seine Fehler – und seine Feinde …

Quelle: acabus Verlag

Buchinfo

  • ISBN: 978-3-86282-456-4 (Paperback)
  • Preis: 15,00 € [D]
  • Seiten: 440
  • Sprache: Deutsch
  • Ausgabe: 1. Originalausgabe
  • Erscheinungstermin: 13. Februar 2017
  • Genre: Fantasy, Historical Fantasy

Meinung

In den ersten Kapiteln wird die Hauptprotagonistin Helena eingeführt. Der Leser bekommt eine Zusammenfassung ihres bisherigen Lebens bis zum tatsächlichen Handlungsbeginn. Es fängt damit an, dass sie in einem Gespräch mit ihrem Bruder einen schweren Fehler begeht, der ihr kurz darauf zum Verhängnis wird. Schnell zeig sich, dass die Welt, in der Helena lebt, ein bisschen anders tickt. Sie ähnelt dem uns bekannten europäischen Raum, aber gestaltet sich dann doch ganz anders.

Helena selbst befindet sich in Deutschland und ist Hexe und eine treue Staatsdienerin der Garde. Dem Leser begegnet ein fremdes und ungewöhnliches System. Jede Frau ist zu Magie fähig und in der Lage sich erwecken zu lassen. Männer sind nicht so viel wert wie Frauen und haben entsprechend wenig zu melden in diesem Regime. Selbst alle Frauen, die nicht der Magie fähig sind und Frauen, deren Magie verwirkt ist, nehmen eine untergeordnete Rolle ein. Es können im wahrsten Sinne nur die „stärkeren Frauen“ an der Macht sein. Ganz oben steht die Goldene Frau des Goldenen Reiches.

Dieser Perspektivenwechsel ist im Anbetracht der Tatsache, dass sich in den letzten Jahren vieles geändert hat, sehr interessant. Unsere Gesellschaft dreht und wandelt sich seit einiger Zeit: Frauen bekommen immer mehr Rechte, es gibt eine Frauenquote und der Feminismus findet immer mehr Anklang. Auch Männer kämpfen dafür und fordern ihr Recht ein, sich um ihre Familie zu kümmern, die Kinder zu erziehen und gleichgestellt mit Frauen zu sein. Die Gesellschaftskritik in dem Buch zielt darauf ab, ein veraltetes Bild komplett umzudrehen: Statt Männer sind Frauen an der Macht. Doch ist das wirklich besser, als wenn nur Männer an der Macht sind? Wohl kaum, wie im Verlauf der Geschichte deutlich wird.

Doch wie erklärt sich dieses Regime und wie kann es sein, dass plötzlich in einer Geschichte die Welt von Frauen regiert wird? Monika Loerchner hat dafür ein ganz einfaches Zaubermittel. Sie schreibt die Geschichte der letzten Jahrhunderte einfach neu. Der Leser erfährt aus vergangener Zeit, ‚Aus den Annalen des Goldenen Reiches‘, die vor jedem Kapitel berichten, wie sich die historischen Ereignisse zugetragen haben. Dieser Bezug wirkt recht glaubhaft, vor allem dann, wenn Persönlichkeiten wie Martin Luther auftauchen und Platz für eine neue Geschichte machen müssen und dann als ‚Martin von Mansfeld‘ folgendes tun:

Er formulierte 63 Thesen, nach denen die Magie ein Übel des Teufels ist und sich die Frauen wieder bedingungslos den Männern unterzuordnen haben, und nagelt sie an das Tor des Schlosses der Hauptstadt Annaburg.

Hexenherz. Eisiger Zorn, Seite 104

Und wäre das nicht schon genug der Glaubwürdigkeit, packt die Autorin noch einen ganzen bürokratischen Stapel ‚Aus der Gesetzgebung des Goldenen Reiches‘ mit in die Geschichte. Wodurch deutlich wird, welchen Stellenwert Frauen und Männer einnehmen.

Helena selbst ist absolut keine Sympathieträgerin. Ihre Motive sind klar: Sie ist der Goldenen Frau unterworfen und hat dem Reich einen Schwur abgeleistet, an den sie sich tapfer hält. Dafür nimmt sie so manche Unannehmlichkeiten in Kauf. Auf ihrem Weg zurück zu ihren Wurzeln geriet sie in ein gefährliches Spiel, dass sie einiges kosten wird. Zwischendurch musste ich richtig mitfühlen und im nächsten Moment ist Helena einfach nur widerlich und selbstsüchtig. In der Geschichte gibt es noch viele weitere Figuren, die sich selbst sehr treu bleiben und im Gesamtbild sehr passend sind. Der Leser darf sich also auf eine Portion vielfältiger Charaktere freuen. Besonders auf einen kleinen herzerwärmenden Jungen.

Die Krönung der ganzen Geschichte ist die sagenhafte, unglaublich detailreiche Kulisse. Es werden sehr viele Orte in diesem Buch beschrieben und das ziemlich anschaulich. Die Charaktere nutzen die örtlichen Gegebenheiten perfekt aus und machen es zu ihrem persönlichen Schauplatz. Die Geschichte wird dadurch sehr authentisch und szenisch.

Cover

4

Gestaltung / Aufmachung

3

Kulisse

4

Charaktere

4

Idee / Aufbau

5

Spannung

4

Komplexität

4

Emotionen

4

Schreibstil / Lesbarkeit

4

Eigene Meinung / Empfindung

5

Durchschnittliche Bewertung

4,1

Fazit

»Hexenherz« hat einen hohen Wiedererkennungswert, da es mal etwas Anderes ist. Das Buch nimmt eine ganz andere Perspektive ein und überzeugt mit einem außergewöhnlich zugrunde liegendem System. Es entspricht nicht den typischen Mustern eines Fantasyromans. Dabei werden historische Ereignisse fiktiv mit der Gegenwart verknüpft und es bleibt dabei stets glaubwürdig. Das Ganze ist gepaart mit einer aufregenden Geschichte, die sehr unterhaltsam ist. Darüber hinaus enthält die Geschichte eine große und gesunde Portion Gesellschaftskritik, die lang anhaltend zum Nachdenken anregt.

Ich danke dem acabus Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Entspricht nicht den typischen Mustern eines Fantasyromans

6 Kommentare

  • Anna sagt:

    Hey,

    wow – das klingt echt interessant. Ich finde ja historisch betrachtet das Thema Hexenverbrennung schon sehr spannend, aber in dem Buch ist es ja noch einmal ganz anders aufgearbeitet. Von dem Verlag kenne ich bisher nur ein Buch, aber anscheinend muss ich mir das Programm doch mal näher angucken. 🙂

    Danke für die tolle Rezension – das Buch landet auf jeden Fall auf der Wunschliste.

    Liebe Grüße,
    Anna

    • Henrik sagt:

      Hallo Anna!

      Danke für deinen Kommentar, freut mich, dass ich dich neugierig machen konnte. Hexen sind absolut klasse, hier ist es eben noch mal eine Nummer besser!

      Welches Buch aus dem Verlag hast du gelesen? 🙂

      Liebe Grüße
      Henrik

  • monerl sagt:

    Hallo Henrik,

    das ist mal wirklich eine interessante Buchauswahl! Von diesem Buch habe ich bisher nichts gehört. Da ich sehr gerne Fantasy lese, interessiert mich diese Geschichte insbesondere wegen der Verknüpfung des Genres Fantasy mit dem Aufstieg des Feminismus in Kombination mit dem ausschließlich weiblich geführtem Regime. Ist das ein in sich abgeschlossenes Einzelbuch?

    GlG vom monerl

    • Henrik sagt:

      Hallo Monerl!

      Dann wirst du mit dem Buch sicher viel Freude haben. Die Handlung ist in sich geschlossen und soll nach Angeben der Autorin auch nicht weiter erzählt werden. Es wird wohl weitere Erzählungen aus der Welt geben, aber mit der Handlung hat das dann nicht viel zu tun. 🙂

      Liebe Grüße
      Henrik

  • Marysol sagt:

    Ahoy Henrik,

    dass wir die gleiche Meinung zum Buch haben, hatten wir ja schon festgestellt…
    Aber wow, ich finde deine Rezension richtig gut und deinen Aufbau ungewöhnlich und erfrischend strukturiert!!!

    Ich hoffe sehr, dass Monika noch mehr aus Helenas Welt schreibt, bzw. dass ihre Ideen veröffentlicht werden, denn das Goldenen Reich ist wahnsinnig facettenreich und vielschichtig, da wäre noch viel zu holen ^^

    Liebste Grüße und eine schöne Restwoche noch, Mary

    • Henrik sagt:

      Hallo Mary,

      wow, was für ein Kompliment. Dankeschön! Damit habe ich nicht gerechnet. :-))

      Die Welt ist sehr fabelhaft und ich freue mich schon sehr. Immerhin hat sie ja vor, noch weitere Geschichten zu schreiben. Demnächst gibt es ein Interview mit der Autorin und lass dir gesagt sein, dass ich ihr versuche Etwas zu entlocken. 😉

      Liebe Grüße
      Henrik

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