Rezension Layers

05.07.2017
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»Layers« ist ein Thriller von Ursula Poznanski und ist 2015 erstmals im Loewe Verlag erschienen.

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Inhalt

Seit Dorian von zu Hause abgehauen ist, schlägt er sich auf der Straße durch – und das eigentlich recht gut. Als er jedoch eines Morgens neben einem toten Obdachlosen aufwacht, der offensichtlich ermordet wurde, gerät Dorian in Panik, weil er sich an nichts erinnert: Hat er selbst etwas mit der Tat zu tun? In dieser Situation bietet ihm ein Fremder unverhofft Hilfe an und Dorian ergreift die Gelegenheit beim Schopf – denn das ist seine Chance, sich vor der Polizei zu verstecken. Der Unbekannte engagiert sich für Jugendliche in Not und bringt Dorian in eine Villa, wo er neue Kleidung, Essen und sogar Schulunterricht erhält. Doch umsonst ist nichts im Leben, das erfährt Dorian recht schnell. Die Gegenleistung, die von ihm erwartet wird, besteht im Verteilen geheimnisvoller Werbegeschenke – sehr aufwendig versiegelt. Und als Dorian ein solches Geschenk nach einem unerwarteten Zwischenfall behält, wird er von diesem Zeitpunkt an gnadenlos gejagt.

Quelle: Loewe Verlag

Buchinfo

  • ISBN: 978-3-7855-8230-5
  • Preis: 14,95€ [D] 15,40€ [A]
  • Seiten: 448
  • Sprache: Deutsch
  • Auflage: 1. Auflage 2015
  • Erscheinungstermin: 17. August 2015
  • Genre: Jugendbuch, Thriller

Meinung

Die Zukunft ist gar nicht mehr all zu fern. Ursula Poznanskis Thriller beweist, das es schon heute gar nicht mehr abwegig ist, sich den vielen Gefahren der Zukunft unwissentlich auszusetzen. Die Brille des Gegenübers sieht vielleicht schick aus und war teuer, aber was kann diese Brille? In dem Buch dreht sich alles um die Frage der Wahrheit und was die Wahrheit mit den Menschen macht, wenn sie komplett verdreht wird. Es ist ein gefährliches Spiel aus Macht, Wissen und Kontrolle.

Dorian ist ein siebzehnjähriger Junge, der auf der Straße lebt. Nachdem seine Mutter verstorben ist, hat er es unter der Gewalt seines Vaters nicht mehr länger ausgehalten und ist abgehauen. Er bringt sich selten in Gefahr und ist in gewisser Weise ein kleiner Überlebenskünstler. Sein Leben verändert sich schlagartig, als er neben der Leiche seines Erzfeindes wach wird und im Glauben ist, diesen Mord selbst begangen zu haben. Zuflucht findet er in der Bornheimvilla. Bornheim, der Eigentümer hat es sich zu eigen gemacht Jugendliche von der Straße zu sich zu holen und ihnen ein Dach über dem Kopf zu geben, eine warme Mahlzeit, Kleidung und Unterricht. Der Preis ist, sich zu engagieren und den einen oder anderen Auftrag zu erledigen. Die Jugendlichen wissen selten, was sie eigentlich für Aufträge erfüllen, lassen sich aber davon nicht beirren, denn sie sind geblendet von dem Luxus, der sie umgibt.

Dorian ist in diesem Buch ziemlich misstrauisch dargestellt und hinterfragt so manches Mal, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Dennoch schwankt dieses Verhalten sehr, sodass es eindeutig zu wenig Misstrauen ist. Dorian rebelliert hier und da, dann akzeptiert er wieder die Tatsachen und macht, was ihm gesagt wird und so weiter. Das ist natürlich sehr schwankend und spricht nicht gerade für den Charakter. Er hat die ganze Zeit über keinen richtigen Plan, was er vorhat. Das Problem ist, dass sich das eben in der Handlung widerspiegelt. Dorian dümpelt vom einen zum nächsten Ereignis und das ist einfach langweilig.

Bornheims Sonderauftrag hätte in der Geschichte viel Spannung erzeugen können. Wenn Dorian entschlossener gewesen wäre oder zumindest seine Absichten mehr zum Ausdruck gekommen wären, hätte das sicherlich funktioniert. Aber stets war er darauf bedacht, keinen Fehler zu begehen und sich zu schützen. Wer hätte gedacht, dass es tatsächlich schief geht? Die neue Welt, die sich ihm öffnet, ist so unglaublich spannend und verspricht sehr viel. Doch auch hier hindern Dorians Charaktereigenschaften in meinen Augen die Handlung am Fortgang. Die Hetzjagd auf ihn ist dementsprechend sehr konstruiert und künstlich.

Da dieses Buch mein erstes Werk der Autorin ist, kannte ich den Stil natürlich nicht und musste mich hineinlesen. Das ging dann schnell, der Rhythmus ist ein anderer, sie hat eine Sprache, mit der sie der Geschichte einen ganz eigenen Takt gibt und das ist sehr angenehm. Es ist nur schade, dass es dann an vielen Stellen versucht authentisch-jugendlich dargestellt wird und dadurch dann seine Wirkung verliert und ins Stocken geriet.

Die Handlung war immer wieder ziemlich vorhersehbar. Normalerweise gehöre ich nicht zu den Lesern, die schon erahnen können, was als nächstes passieren wird, bevor es dann tatsächlich passiert. Doch dieses Mal konnte ich recht häufig erahnen, was mich in den nächsten Seiten erwarten wird. Das hat sich dann bis zum Schluss so hingezogen. Das ist auch das, was ich damit meinte, dass die „Hetzjagd“ eher künstlich wirkt und nicht echt. Immerhin hat sich das Ende zu einem richtigen Showdown entwickelt, bei dem es noch einige Überraschungen und Wendungen gab, die perfekt ausgenutzt wurden. Beflügelt von den ganzen Wendungen ging die Geschichte rasant zu Ende und irgendwie doch nicht. Ich hatte das Gefühl, dass durch den Showdown vieles einfach untergegangen ist. Gerade für dieses Buch wäre es ja schön gewesen, nicht all zu viele offenen Ebenen zurückzulassen. Es mag zwar schön sein, sich den ganzen Gedanken hinzugeben, doch hier war gar keine Grundlage mehr vorhanden, zu der man sich hätte weitere Gedanken machen können.

Ein kräftiger Spannungsbogen zum Ende reicht leider nicht aus, um als guter Thriller durchzugehen. Geschuldet war das Dorian, der die Handlung durch seine Ahnungs- und Planlosigkeit immer wieder stark abgebremst hat. Es passiert währenddessen nichts relevantes und wenn etwas passierte, hielt er sich zu lange damit auf. Es war einfach nicht das richtige Maß. Vieles hätte deutlich anders aufgebaut werden können, um Dorians Absichten zu verdeutlichen.

Absolut interessant waren die „Werbegeschenke“, die Dorian verteilt: die Datenbrillen. Durch diese konnte der Betrachter die Welt in sogenannten „Layers“ sehen. Jeder dieser Layer sah aus wie ein Schild und äußerte etwas über die Person oder den Gegenstand. Bei einem Arzt stand, dass man ihn besser meiden sollte. Bei einem Unternehmen stand, dass es boykottiert werden sollte. Und solche Dinge eben. Die Wahrheit wurde zugunsten böser Machenschaften verändert und unter dem Argument verteilt, die Welt besser zu machen. Augmented Reality ist schon seit Jahren ein Thema, das die Menschheit beschäftigt und spätestens durch die Virtual Reality greifbarer wurde. Es hat thematisch eine sehr gute Grundlage der Geschichte gebildet. Die aufkommenden Fragen „Wie weit kann man gehen, ab wann wird es gefährlich und was wird uns gefährlich?“ wird in dem Buch ziemlich gut aufgegriffen durch die Handlung.

Cover

4

Gestaltung / Aufmachung

3

Kulisse

4

Charaktere

2

Idee / Aufbau

3

Spannung

2

Komplexität

2

Emotionen

2

Schreibstil / Lesbarkeit

3

Eigene Meinung / Empfindung

2

Durchschnittliche Bewertung

2,7

Fazit

Layers ist ein Buch, welches durch seine Thematik durchaus lesenswert ist. Es ist nicht wirklich ein Thriller im herkömmlichen Sinn. Es entspricht dem Interesse der Zielgruppe verknüpft mit aktuellen und wichtigen Themen und auch altbekannten Problemen wie Drogen, Gewalt und Liebe. Auch wenn der Hauptcharakter nicht ganz von sich zu überzeugen weiß und die Geschichte immer wieder hemmt.

Weitere Rezensionen

http://der-lesefuchs.blogspot.de — 4 von 5 Sterne

http://buecherblog.org — 2 von 5 Sterne

Kein herkömmlicher Thriller, trotzdem lesenswert

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