Rezension Miss Vee oder wie man die Welt buchstabiert

02.06.2015
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»Miss Vee oder wie man die Welt buchstabiert« ist ein Roman von Lissa Evans und ist 2015 erstmals auf Deutsch im List Verlag (Ullstein Buchverlage) erschienen.

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Inhalt

Es ist immer wichtig, einen guten Plan zu haben Nichts im Leben von Vera Sedge verläuft nach Plan. Die 36-Jährige stolpert kopflos von einem selbstverursachten Drama ins nächste. Vee ist notorisch pleite, und es ist ihr inzwischen egal, wenn sie auch mal krumme Wege geht. Dann humpelt der zehnjährige Noel in ihr Leben. Er ist mit der Kinderlandverschickung ins kleine St. Albans gekommen. Hochbegabt, altklug und ganz anders als alle Menschen, die Vee bisher kennengelernt hat, bringt er sie auf eine brillante Idee. Doch es sind Noels kühler Kopf und sein großes Herz, die aus der Idee erst einen Geldsegen machen. Auf sich allein gestellt, ist Vee eine Katastrophe. Zusammen mit Noel ist sie ein gutes Team. Die beiden verbindet eine ungewöhnliche Freundschaft, und gemeinsam entdecken sie, was ein echtes Zuhause bedeuten kann.

Quelle: Ullstein Buchverlage

Buchinfo

  • ISBN: 978-3-471-35117-8 (Hardcover)
  • Preis: 18,00 € [D] 18,50 € [A]
  • Seiten: 352
  • Sprache: Deutsch
  • Erscheinungstermin: 06. März 2015
  • Genre: Roman
  • Original: Crooked Heart | Doubleday, London | 2014
  • Übersetzer: Sabine Roth

Meinung

Optisch spricht dieses Buch sehr an und verleitet zum Kauf. Der Titel signalisiert in Verbindung mit dem Cover eine schöne Geschichte, die durch turbulente Zeiten führt. Die Blautöne sind vielfältig und vermischen sich zu einem schönen Bild.

Wie man dem Text auf dem Buchrücken schon entnehmen kann, befindet man sich in London des Jahres 1939 – der Krieg ist in vollem Gange, die Bomber fliegen. So kommt es, dass der kleine Noel aus der Hauptstadt evakuiert wird und bei Miss Vee in St. Albans landet.

Für Menschen, die nicht aus dieser Zeit stammen, ist es fast unmöglich, sich dieses Bild des Krieges vor Augen zu führen, weswegen es an einem Autor liegt, in so einer Geschichte das entsprechende Bild zu vermitteln. Lissa Evans hat mir ausgebombte Straßen und Häuser sehr bildlich vor Augen geführt. Manchmal hat sie dafür keine großen Worte und Umschreibungen gebraucht, nur einen Nebensatz.
Allgemein hatte ich beim Lesen das Gefühl eine ganze Umgebung vor Augen geführt zu bekommen, ohne große Anstrengungen aufzunehmen. Die Autorin hatte ein feines Händchen für Details, die mir das Gefühl gaben, im Jahre 1939 angekommen zu sein. Sie hat mich in der Zeit zurück versetzt.

Besonders angetan bin ich bei diesem Buch von den Charakteren, die alles andere als gewöhnlich sind. Trotz vieler Eigenheiten hat Evans ihren Stil beibehalten, hat die Charaktere nicht zu arg vermischt. Es war immer ziemlich klar, welcher der Personen an der Reihe war. Ob der Vormund von Noel oder Miss Vee oder Noel selbst, allesamt hatten immer etwas Spezielles. Es ist natürlich nicht einfach, seine Charaktere in einer Geschichte einzubauen, deswegen ziehe ich hier mal meinen imaginären Hut und verneige mich. Es ist auch für mich schwierig, da ich das Erlebnis der Charaktere nicht vorwegnehmen möchte, alles zu beschreiben. Ich hoffe dennoch, dass man versteht, was ich meine. 😀

Durch die speziellen Charaktere ist es natürlich unausweichlich, dass manche Stellen im Buch etwas anders als gewöhnlich beschrieben sind. Deswegen liest es sich besonders im Prolog etwas gewöhnungsbedürftig. Allerdings ist das kein negativer Aspekt, im Gegenteil: Authentische Geschichten brauchen ungewöhnliche Schreibweisen und Schreibarten. Nur so können sie sich hervorheben und aufzeigen, dass etwas anders ist. Ich mag so etwas sehr, denn es zeigt, dass man sich nicht immer auf eine einheitliche Form verlassen muss, sondern auch mal über den Tellerrand schauen muss.
Lissa Evans hat, wie ich schon weiter oben erwähnt habe, eine angenehme Art, Bilder zu verdeutlichen, was auch teils an ihrem Schreibstil liegen muss. Ganz klar. Nichts war zu viel oder in die Länge gezogen.

Bewertung

Trotz der schönen Geschichte und der vielen positiven Worte, die ich für dieses Werk übrig habe, ist es mir sehr schwer gefallen, es auch so zu schreiben. Dieses Buch hat mich unterhalten, es hat mir Neues beigebracht und auch aufgezeigt. Doch gefühlt ist mir dieses Buch nur drei von fünf Schreibfedern “wert” und irgendwie fange ich langsam an, diese Bewertungen nicht mehr zu mögen. Dieses Buch hat seinen Platz in meinem Herzen und in meinem Regal gefunden, einen festen Platz.

Fazit

Trotz meiner niedrigen Gesamtbewertung konnte ich diesem Buch viel abgewinnen. Ich wünsche mir, dass ich alles betonen konnte, was mir gefallen hat. Und irgendwie zeigt mir das, dass man ein Buch nicht über eine Bewertung beurteilen kann, sondern nur über einen Text, der dazu geschrieben wird. Schließlich sind es auch die Worte in dem Buch, die uns berühren und nicht das Äußere.

Ich danke dem List Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Weitere Rezensionen

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Ein Buch zum Grübeln.

10 Kommentare

  • Hallo!
    Prinzipiell ist eine Gesamtbewertung eigentlich nicht schlecht, nur wenn du – wie du sagst – Schwierigkeiten hast, das in eine Bewertung (oder Federn) zu quetschen, wäre es vielleicht tatsächlich praktischer, Kategorien zu machen. Im Sinne der Lesbarkeit (als regelmäßige Rezensionsleserin) finde ich es persönlich am besten, wenn die einzelnen Kategorien (zB Cover, Klappentext, Charaktere, Geschichte, Erzählstil) nicht alle am Ende stehen würden, sondern vielleicht zwischendrin im Zusammenhang. Am Ende kann man dann ja die Gesamtbewertung stehen lassen, hat dann allerding eine transparentere und vor allem schnell zu überblickende Bewertung.
    Denn manchmal habe ich keine Zeit, den gesamten Text zu lesen, was natürlich schade ist, aber dann würden eben diese Kategorien mir dabei helfen, den Inhalt des Zwischentextes zu verstehen… ich glaube, ich drücke ich ein wenig kompliziert aus, ich hoffe, du hast verstanden, was ich meine 🙂
    Liebe Grüße und Hakuna Matata
    Isabella

    • Henrik sagt:

      Hallo Isabelle,

      ich danke dir für deinen Kommentar. Nein, du hast dich verständlich genug ausgedrückt. Und eigentlich beschreibst du genau das Szenario, welches ich befürchte. Man sucht sich Rezensionen und in der Eile verlässt man sich auf die Bewertung und nicht auf den Text, der bei mir eutlich mehr aussagt, als die Bewertung. Wie man an dieser Rezension gut sehen kann. Auf der einen Seite versteh ich das ganz gut. Auf der anderen finde ich es schade, weil ich als Leser und als Schreiber ja erhoffe, dass man mich nicht nach einer bildlichen Bewertung sondern nach einer schriftlichen Wertung beurteile. Klingt vermutlich nicht so toll, weil es überall diese schönen Bewertungen gibt, die hervorgehoben werden. Doch wenn ich aus der Sicht eines Autors denke, erhoffe ich mir doch, dass ich einen ausführlichen Text lesen darf und nicht einfach nur eine Inhaltsangabe mit fünf Sternen (Federn). Weil, was nützt das? Klar ist das gut, wenn das so ist, aber inhaltlich leider gar nicht.

      Ich habe mir deswegen schon überlegt, diese Kategorie „Bewertung“ ganz weg zu lassen, mich vielleicht eher nur auf den Text zu konzentrieren und es anders zu verpacken. Es mit dem Fazit zu kombinieren. Weil: Bewertungen fallen mir immer schwerer. Schreiben dahingegen kann ich besser, meine Meinung verfassen. Das ist freier, da kann ich mehr vermitteln.

      Ich danke dir trotzdem für deine Anregung und werde es mal in Betracht ziehen und ausprobieren im Hintergrund, ob das realisierbar wäre.

      Liebe Grüße und herzlichen Danke.
      Henrik

      • Ich verstehe schon, was du meinst. Vielleicht machst du dann einfach keine Federn mehr, sondern einen kurzen Satz als Beschreibung zu deinem Thema. Wer dann die Begründung haben will, kann den Text weiterlesen. So würdest du vielleicht die Federn abschaffen, aber nicht die Kurzbewertung…

      • Henrik sagt:

        Ja, die Bewertung als Text fällt nicht weg. Das fällt mir leichter, als es grafisch (gefühlt fair) darzustellen. Ich habe schon eine Lösung im Kopf, diese werde ich versuchen, so gut wie es geht umzusetzen. Mal schauen.

        Ich danke dir für deine Anregungen.

        Liebe Grüße
        Henrik

  • Melissa sagt:

    Ich glaub ich bin zu blöd. Ich hab die negativen Punkte in deiner Rezension nicht gefunden, die zur Bewertung führen. Das Buch klingt nämlich total gut, oder irre ich mich da?

    • Henrik sagt:

      Hallo Melissa,

      nein, du siehst richtig. Meine Rezension ist durchweg positiv, doch mein Gefühl lässt nicht zu, dass ich mehr als 3/5 Sternen bzw. Schreibfedern vergeben kann. Und da liegt das Problem. Ich kann diese Bewertungen nicht mehr so gut schreiben bzw. es fällt mir schwer, ein Buch so zu werten. Ich kann das besser in einem Text festhalten, als es wirklich in diese Bewertung zu erfassen.

      Liebe Grüße
      Henrik

  • schlaueeule sagt:

    Hallo

    Die Frage habe ich mir auch schon öfter gestellt.Einerseits mag ich es wenn ich irgendwie einen Überblick habe, aber anderseits kann ich das selbst oft schlecht einordnen. Bei mir ist es meistens bei Genres so, die ich einfach nicht so lese. Ich finde es im Genre zwar sehr gut aber gesamt nicht so. Vielleicht einfach wie bei Filmen manchmal gemacht wird Genre Wertung und dann Gesamtwertung.

    Aber man wird so in diese Sterne Bewertung reingezogen weil sie auf LB und bei bloggern doch relativ üblich ist.

    Ich finde es aber schwer einzelne Kategorien zu beurteilen, weil auch wenn Charaktere, Schreibstil und so alles super ist kann es trotzdem dass das Gesamtbild dann nicht stimmt.

    LG Sophie

    • Henrik sagt:

      Hallo Sophie,

      ich danke dir für deinen Kommentar und die Ansätze!

      Ja, ich sehe es als Problem, dass man überall irgendwie fast „gezwungen“ ist, eine Bewertung 1-5 abzugeben. Vor allem, wenn man ein Buch liest, was total fachlich angehaucht ist, kann man das dann so bewerten?

      Ich denke wirklich, das eine Genre-Bewertung vermutlich auch nicht die optimalste Lösung für mich wäre. Weil ich ja querbeet lese und auch da nicht unbedingt immer das „Wissen“ oder die „Erwartung“ mitbringe.

      Liebe Grüße
      Henrik

    • schlaueeule sagt:

      Ja das stimmt. Fachliteratur ist dann doch auch nochmal was anderes und macht das ganze noch komplizierter. Man muss das ganze dann entweder ausblenden oder in die Bewertung mit einfließen lassen und das kann man ja nicht immer wider ändern von Rezi zu Rezi finde ich.

      Ich lese auch sehr querbeet außer Thriller die wirklich fast nie. Trotzdem kann ich mich schnell in die Genres einfügen und dann gefällt mir das Buch ja, aber nach 2 tagen merke ich dann das es im gesamten wenn ich so drüber nachdenke nichts besonderes war.

      LG Sophie

      • Henrik sagt:

        Ich danke dir auf jeden Fall für deine Anregungen und versuche mal, darüber nachzudenken. Ich hab jetzt schon ein paar Ideen und werde an denen feilen.

        Liebe Grüße
        Henrik

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