Rezension Monsieur Optimist

26.05.2015
6

»Monsieur Optimist« ist ein Roman von Alain Berenboom und ist 2015 erstmals auf Deutsch im Graf Verlag (Ullstein Buchverlage) erschienen.

Infos zum Buch anzeigen

Inhalt

Er begriff das Leben als Spiel und Abenteuer wie Roberto Benigni in „Das Leben ist schön“ – und überlebte so den Holocaust. Die Geschichte des polnischen Apothekers Berenbaum ist die von Überlebensmut und Überlebenswillen, von Glück, Chuzpe – und unerschütterlichem Optimismus. Erst als er sich daran macht, die Papiere und Briefe seiner Eltern zu ordnen, entdeckt Alain Berenboom, dass sein Vater Chaim ein veritabler Don Quichotte war. In den zwanziger Jahren aus dem polnischen Makow nach Lüttich gekommen, um hier Pharmazie zu studieren, will Chaim vor allem ein waschechter Belgier werden. Er dreht Wunderpillen, mixt Schönheitstinkturen und plaudert nächtelang mit seinem besten Freund über deutsche Literatur und Philosophie, als um ihn herum das alte Europa längst in Stücke geht. Chaim und Rebecca, seine schöne junge Frau, überleben, indem sie den belgischsten aller Namen annehmen: Janssens & Janssens….

Quelle: Ullstein Buchverlage

Buchinfo

  • ISBN: 978-3-86220-054-2 (Hardcover)
  • Preis: 18,00 € [D] 18,50 € [A]
  • Seiten: 288
  • Sprache: Deutsch
  • Auflage: 1. Auflage
  • Erscheinungstermin: 06. März 2015
  • Genre: Roman
  • Original: Monsieur Optimiste | Genèse Édition, Brüssel | 2013
  • Übersetzer: Tanja Graf, Helmut Moysich

Meinung

Für Menschen, die den Minimalismus schätzen, bietet dieses Buch bereits schon beim Cover ein ziemlich schlichtes Bild. Wo geht er denn hin der Monsieur Optimist? In Rot strahlt dieses Buch kräftig nach außen. Nicht beißend, aber satt. Ich finde es also ganz hübsch so. Weniger ist eben auch bei Buchcover manchmal mehr.

Zunächst ist noch nicht ganz klar, wo man sich eigentlich genau befindet. Wer man ist und was man tut. Erst nach vielen Seiten breitet sich zwischen der Informationsflut ein klares Bild aus. Ich versuche mal ein wenig zu beschreiben, ohne die Handlung vorwegzunehmen. Man liest eine ganze Erzählung, die sich als Familiengeschichte entpuppt. Aufgerollt von Alain Berenboom, dem Autor. Diese Erzählung wird oft von Briefauschnitten der Familie unterbrochen, diese werfen viele Details in den Raum und andere wirken erst zusammenhangslos und klären erst später die Verknüpfung.

Da dieses Buch zwischen dem Ersten Weltkrieg bis hin zum Zweiten Weltkrieg über Generationen hinweg spielt, bleibt es nicht aus, dass man sich auch gleichzeitig (durch den Briefwechsel) an mehreren Orten befindet. Warschau in Polen, Brüssel in Belgien. Abstecher in die Schweiz und Frankreich und manchmal sogar Deutschland. Allerdings stehen diese Länder oft nicht im Vordergrund, eher die Geschichte der einzelnen Personen, die sich gerade aus irgendwelchen Gründen in einem dieser Länder aufhalten.

Bedenkt man die Zeit und beachtet man, dass die gesamte Familie Berenboom den jüdischen Glauben teilt, lässt sich schnell erahnen, dass sie in wilden Zeiten leben, in denen sie sich verstecken müssen, weil sie verfolgt wurden.
Ich fand, dass Alain Berenboom diesen Aspekt ziemlich gut darstellen konnte in seinem Buch. Ohne dabei jetzt viel zu klagen, um es so auszudrücken. Es ist einfach die Wahrheit, wie sie es eben vor langer Zeit stattgefunden hat.
Durch den Briefwechsel bekommt man viele Sorgen, Befürchtungen und Ängste mit. Sogar viel Unwissenheit in manchen Zeiten kommt klar und deutlich an. Berenboom kommentiert diese Briefe mit seinen ganz persönlichen Gedanken, die immer wieder zum Nachdenken anregen.
Ob man heute noch verstehen kann, was damals in den Köpfen anderer vorgegangen ist?

Ich empfand dieses Buch beim Lesen als ziemlich angenehm. Schnell ist man über die Zeilen gerutscht und hat die vielen Worte aufgeschnappt und verstanden. Berenboom hat auch einige Worte aus anderen Sprachen mit eingebunden, viel erklärt und auch seine eigenen Eindrücke, Träume und Gedanken festgehalten. Das hat diesem Buch etwas Authentisches und Greifbares gegeben und das Lesen auch packend gestaltet.

Die Suche nach dem Monsieur Optimist entpuppte sich dann doch rasch als vergebens. Ich dachte nämlich, es wäre nur eine Vater Sohn Geschichte, eine angenehme Geschichte zum treiben lassen. Doch, was ich lesen durfte, war etwas anders, als erwartet. Aber absolut nicht enttäuschend. Über einen längeren Weg gelangte man dann doch endlich zu Monsieur Optimist und seinem Sohn, was der Geschichte dann auch diesen Touch verliehen hat, den ich mir gewünscht hatte.

Bewertung

Ob ich alles gesagt habe, was ich zu diesem Buch sagen wollte? Das zweifel ich stark an. Ich möchte aber dieses Buch niemandem durch zu große Spoiler verderben und denke, dass meine Worte ausreichen, um richtig Lust auf dieses besondere Buch zu machen. Es ist auch seit langer Zeit mal wieder ein Buch, welches mir so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen wird. Daher sehe ich auch fünf von fünf Schreibfedern als gerechtfertigt an.

Fazit

Schon lange habe ich keine Geschichte in dieser Form mehr gelesen. Dieses Buch wird in meinem Kopf fest verankert sein und einen ganz besonderen Platz einnehmen. Gegen meine Erwartungen hat mich dieses Buch insgesamt dann trotzdem vom Hocker gehauen und ich denke, für Liebhaber von tollen, kurzweiligen Romanen ist es auf jeden Fall etwas. Dieses Buch bietet viele Aspekte und Ansichten, die im jüdischen Glauben vorkommen, vor allem zu dieser speziellen Zeit des Holocaust. Ich hatte beim Lesen nicht das Gefühl gelangweilt zu werden oder etwas vorgehalten zu bekommen. Und ich denke, es ist nicht unwichtig diesem Thema offen gegenüberzustehen. 🙂

Ich danke dem Graf Verlag der Ullstein Buchverlage für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Eine Geschichte, die mehrere Familiengenerationen vereint.

6 Kommentare

  • Melissa sagt:

    Eine sehr schöne Rezension zu einem interessanten Buch. Das werde ich mir mal auf meine Merkliste setzen, wenn ich mich mit solch einem Thema beschäftigen will.
    Danke und liebe Grüße
    Melissa

    • Henrik sagt:

      Hallo Melissa,

      ich danke dir für das Kompliment! 🙂
      Ja, ich glaube, da muss man schon wirklich Lust haben, bei dieser Thematik. Hab es beim zweiten Buch danach gemerkt, welches in der gleichen Zeit spielt. Es wird etwas Lästig, wenn man nicht mehr mag. 😀

      Liebe Grüße
      Henrik

  • Schmerzgott sagt:

    Da ich es mag, wenn Menschen lesen, musste ich auch Deinen Blog nominieren – lese hier weiter für mehr Infos zur Nominierung:
    https://schmerzgott.wordpress.com/2015/05/26/nominiert-fur-den-liebster-award/

  • Ramona sagt:

    Hallo Henrik,

    jetzt bin ich endlich mal dazu gekommen, deine Rezension auch wirklich zu lesen.
    Du verrätst nichts, aber irgendwie auch ganz viel.
    Ich kann es schlecht beschreiben.
    Auf jeden Fall hast du versucht, Worte zu finden, für etwas, wo dir die Worte doch irgendwie fehlten.
    Danke dafür, es wandert auf meine „muss ich irgendwann mal lesen“-Liste 😉

    Liebe Grüße,
    Ramona

    • Henrik sagt:

      Hallo Ramona,

      ich denke dir für deinen lieben Kommentar! Ich hoffe, dass die Rezension jetzt nicht zu spoilerhaft ist? Ansonsten ergänze ich es noch..

      Es war echt nicht einfach, dieses Buch in Worte zu fassen. Absolut nicht.

      Es freut mich auch, dass du es mal lesen magst! 🙂

      Liebe Grüße
      Henrik

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.