Rezension Sekundensache

12.05.2015
4

»Sekundensache« ist ein Debüt von Alexej Winter und ist 2014 erstmals im HOMO Littera Verlag erschienen.

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Inhalt

Es reichen 3 Sekunden, um sich zu verlieben. Das muss auch Luca feststellen, als er zum ersten Mal Teamkollege Bela gegenübersteht. Der ist von dem neuen Ersatzspieler auch recht angetan, hält ihn aber immer wieder auf Abstand. Und das aus gutem Grund, denn als es zwischen den beiden ernst wird, gehen für Bela die Probleme erst richtig los. Seine Mutter und Schwester werfen ihn raus und ein alter Bekannter taucht auf, der nur eins im Kopf hat – nämlich sich für eine Abfuhr zu revanchieren. Bela verschwindet daraufhin spurlos und lässt Luca mit all den Problemen, Anschuldigungen und Gegnern allein zurück. Doch wie allein ist Luca tatsächlich? Und wer steht am Ende noch zu den beiden Männern?

Quelle: HOMO Littera Verlag

Buchinfo

  • ISBN: 978-3-902885-38-8 (Paperback)
  • Preis: 13,90€
  • Seiten: 194
  • Sprache: Deutsch
  • Auflage: 1. Auflage
  • Erscheinungstermin: 01. Juli 2014
  • Genre: Gay Romance

Meinung

Das Cover zeigt einen muskulösen, blonden und jungen Mann im Hintergrund. Umringt ist er von ein paar leichten Schnörkeln und einer deutlichen Schrift mit Autor, Titel und Genre. Persönlich finde ich das Cover schön gestaltet und muss sagen, dass es mir gefällt. Nur sollte man es nach dem Lesen kurz abwischen, da man auf der Beschichtung jeden Fingerabdruck sieht.

Zu den örtlichen Begebenheiten lässt sich nicht viel sagen, denn diese spielten eine wenig wichtigere Rolle. Man weiß zwar, wo man sich in etwa befindet, doch der Schwerpunkt lag eher immer Szenen bedingt an Häusern, Einrichtung und der näheren Umgebung. Fest steht, die Handlung spielt im fiktiven Dunkelbach, ein kleiner Ort in Deutschland. Dieser findet allerdings weniger Erwähnung, außer beim Fußballverein. Zwischendurch macht man auch mal einen kleinen Abstecher nach London. Aber dazu verrate ich nichts weiter.

Alexej Winter war stets darauf bedacht, einem ein passendes Bild zu vermitteln. So gelang es ihm, das Haus der Familie Maurer ziemlich bildlich von Augen zu führen. Die toskanisch angehauchte Inneneinrichtung wird sich von meinem inneren Auge vermutlich niemals ganz lösen können. Dafür war es einfach zu detailreich und passend beschrieben. Ganz zum Vorteil, denn es erspart dem Leser sich selbst etwas auszudenken, denn durch treffende Beschreibungen hat man alles förmlich vor Augen.

Genauso hat der Autor es mit seinen Charakteren – die teils sehr speziell waren – gehandhabt. Diese Geschichte ist lobenswert. Jeder seiner Charaktere hatte eine feste Einstellung und Funktion in der Geschichte, keiner war zu viel oder zu wenig. Die Gegensätze, die gegeben waren, haben die Handlung stark vorangetrieben. Authentisch ist auch ein Wort, welches ich zu den Hauptcharakteren ergänzen möchte, denn das waren sie. Viele Gefühle und Gedanken der beiden Männer – Luca und Bela – konnte ich ziemlich gut nachvollziehen und verstehen. Da spielt natürlich die persönliche Erfahrung eine entscheidende Rolle, aber es vermittelt dem Leser auch ein klares Bild davon. Ich spreche hier von der Gedankenwelt, den Ängsten und der Verzweiflung. Aber nicht nur die beiden Männer waren gut ausgearbeitet, auch alle anderen Charaktere sind bis ins kleinste Detail durchdacht und das merkt man in der Geschichte auch.

Durch die bildhaften Beschreibungen und der rasch voranschreitenden Handlung ist dem Autor ein besonderer Stil gegeben. Durch Einschübe von spanischen Sätzen, hat dieses Buch eine verstärkte Wirkung der Charaktere, denn so werden die Wurzeln der Hauptcharaktere verdeutlicht. Manchmal waren mir die Personen etwas zu naiv. Ich wäre am Liebsten in dieses Buch hineingesprungen und hätte alle Schütteln können. Manche stellen haben mich so fassungslos gemacht vom einen auf den anderen Moment. Ich musste immer weiter lesen und wollte nicht aufhören. Die Geschichte war dann auch so schnell fertig. Und das zeigt doch schon wieder, dass der Autor mit den Gefühlen spielt, dass er einen leitet. So etwas ist großartig und macht dieses Buch wieder hervorragend.

Bewertung

Diesem Buch jetzt etwas kritisch gegenüberzustehen, war unvermeidbar. Ich bin, wenn es um Geschichten mit Homosexualität als Thema geht, eben sehr kritisch und habe Angst, dass es Klischees erfüllt, denen ich selbst versuche entgegenzuwirken. Deswegen war dieses Buch auch gleichzeitig eine Herausforderung. Glücklicherweise wurde ich hier nicht enttäuscht und Alexej Winter hat auch eine angenehme Geschichte geschrieben, die jetzt nicht gleich ein falsches Bild vermittelt. Und das ist mir persönlich eben wichtig. Daher vergebe ich gerne vier von fünf möglichen Schreibfedern.

Fazit

Jeder, der sich im Genre der “Gay Romance” heimisch fühlt, wird hier sicher nicht enttäuscht. Klischees? Fehlanzeige. Eine schöne Geschichte, die Verzweiflung und Angst ziemlich gut darstellt. Die authentisch und frisch ist. Alexej Winters Debüt lässt auf einen neuen und guten Autor hoffen, dessen Geschichten ich gerne weiter lesen möchte.

Ich danke dem HOMO Littera Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Ich wünschte, ich wäre diesem Buch schon früher begegnet. Authentisch und absolut nachvollziehbar.

4 Kommentare

  • Marie sagt:

    Huhu 🙂

    Ich finde es bei Liebesromanen jeglicher Art immer wieder toll, wenn sie ohne Klischees auskommen – auch wenn das für mich leider selten der Fall ist 😉 Schöne Rezension! 🙂

    Liebe Grüße,
    Marie

    • Henrik sagt:

      Hallo Marie,

      klischees Zerstören das besondere einer „Liebe“, denn Liebe basiert nicht auf Klischees. Liebe basiert auf einem individuellem Gefühl zweier Menschen, die eine sehr starke Bindung zueinander haben. Und da finde ich, muss man selbst beim Schreiben nicht immer auf die gleichen Mittel zurückgreifen. Dann lieber sich etwas besonderes, schönes und einzigartiges ausdenken, statt einfach immer auf dem selben verbrauchten Boden entlang zu schlittern. 😀

      Danke dir und liebe Grüße!
      Henrik

  • Alexej sagt:

    Hallo Henrik,

    vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, meinen Erstling zu lesen und eine solch tolle Rezension zu verfassen. Ich freu mich riesig darüber! 😀

    Liebe Grüße,
    Alexej Winter

    • Henrik sagt:

      Hallo Alexej,

      ich habe dir auch zu Danken, dass du mir deine Erstling so schmackhaft gemacht hast. 🙂

      Ich hätte ja wirklich etwas verpasst, wenn ich das Buch nicht gelesen hätte.

      Liebe Grüße
      Henrik

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